Ostern in der Datenbank

Ostern steht vor der Tür. Klar, dass wir das Thema Ostern in unseren Blog aufnehmen wollen. Und, natürlich, das passiert mir als Kulturanthropologin häufig, fragen die Kolleginnen nach etwas Österlichem im Volkskundebestand. „Ihr habt da doch immer so Sachen …“ Na klar. Dachte ich mir. Die Datenbank angeschmissen und los geht die Suche.

Fangen wir an mit einer Titelsuche. Titel: „Ostern“. Ergebnis: Eine Postkarte (Ostern). Mehrere Fotos von Konfirmandengruppen. An Ostern geschossen. Und ein Foto eines Abiturientenjahrgangs von Ostern 1910. Hm. Das ist ja nicht so ergiebig.

Zweiter Versuch, lassen wir der Datenbank etwas mehr Spielraum. Titel: „Oster“. Und los. Na gut. Schon mehr Ergebnisse. Unter anderem eine Flasche Klosterfrau, eine „Paternosterkette“ und ein Poster. Soso. Aber immerhin auch mehrere bemalte Ostereier, Abziehbilder für Ostereier, eine Osterhasenfigur, ein Osterkörbchen und eine Backform Osterlamm.

Die Abziehbilder, die Osterhasenfigur und das Osterkörbchen stammen alle aus dem Nachlass eines Kolonialwarenladens in Kaufungen bei Kassel. Der Laden war von 1949–1977 geöffnet und wurde der Sammlung Volkskunde vor einigen Jahren fast vollständig erhalten übergeben. Das war für die Sammlung ein Glücksfall! Der Laden samt Möbeln der Erstausstattung, verschiedenen Einrichtungsgegenständen für den Verkauf sowie original Produkten und Reklametafeln aus den 1950er Jahren werden im Hessischen Landesmuseum zu sehen sein. Der Laden als Ganzes umfasst über 500 inventarisierter Objekte. Es ist nicht immer einfach zu unterscheiden, welche Dinge verkauft, als Dekoration im Laden benutzt oder auch von den Inhabern selbst verwendet wurden.

Der Ladenbesitzer Helmuth Finke veränderte sein Sortiment je nach Saison leicht. Einige Wochen vor Ostern bot er seinen Kundinnen und Kunden zum Beispiel Ribo Ostereierfarben und Abziehbilder für Ostereier von Heitmann an. Die Abziehbilder wurden Anfang der 1950er Jahre produziert, aber auch heute noch gibt es Heitmanns Ostereierfarben in der Nostalgieverpackung.

Die Hasenfigur diente vermutlich als Dekoration im Laden. Der Absender auf dem Karton, in dem die Hasenfigur lagert, ist die Firma Bergheiser, eine ehemalige „Süß- und Dauerbackwarenfabrik“ aus Kassel. Die Fabrik in der Artilleriestraße belieferte den Kolonialwarenladen mehrmals die Woche mit Süßigkeiten und Keksen. Vor Ostern wahrscheinlich auch mit allerlei Schokoladenostereiern und -hasen, die werden nämlich schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts hergestellt.

Des Weiteren verkaufte Finke Schokoladentafeln. Auch hier variierte die Verpackung je nach Saison. Mal mit hoppelndem Osterhäschen als Motiv. Oder mit dem Weihnachtsmann. Aber das ist eine andere Geschichte …

Autorin: Almuth Kölsch