Setzkasten oder Museumsvitrine? – Die Tücken des Museumsbegriffs

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Darüber nachzudenken, was das Museum zum Museum macht, und nach diesen Überlegungen zu handeln, macht die tägliche Arbeit der Museumslandschaft Hessen Kassel aus. Ausgangspunkt dieses Beitrags sind die zahlreichen Objekte im Besitz der MHK, die nicht in die Kategorie Rembrandt und Co. fallen, sondern aus dem alltäglichen Bereich stammen und zum Teil Eingang in die Dauerpräsentation des Hessischen Landesmuseums in Kassel finden werden. Um Beispiele zu nennen, erinnern wir dabei gerne an die Objekte in unserem Ostereier- oder Ratgeberbeitrag. Viele mögen sich dabei die Frage stellen, warum der Inhalt von Omas Wandschrank in der Küche kein Museum ist. Es ist also für Museumsleute überlebenswichtig, eine gemeinsame Vereinbarung darüber zu treffen, wie die Institution „Museum“ definiert wird und welche Aufgaben im Vergleich zu anderen, ähnlichen Sammlungen und Einrichtungen erfüllt werden müssen. Immer wieder begegnen einem dabei Fragen, die der Deutsche Museumsbund so formuliert: Was ist ein Museum? Seit wann gibt es Museen? Was muss ein Museum leisten, um sich Museum nennen zu dürfen? Welche Aufgaben hat ein Museum? Welche Themen sind für Museen relevant? Welche Strukturen liegen Museen zugrunde? Die Tücken zeigen sich schon allein daran, dass der Museumsbegriff gesetzlich nicht geschützt ist. Seit 1946 gibt es deshalb die ersten internationalen Vereinbarungen, an die sich „seriöse“ Museen halten: die ICOM Statuten (International Council of Museums). Und da heißt es: Ein Museum wird nach ICOM definiert als „eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienst der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die zu Studien-, Bildungs- und Unterhaltungszwecken materielle Zeugnisse von Menschen und ihrer Umwelt beschafft, bewahrt, erforscht, bekannt macht und ausstellt“.

Verkürzt gesagt: Die Aufgaben eines Museums sind das Sammeln, Bewahren, Forschen/Dokumentieren, Vermitteln und Ausstellen. Anhand dieser Kriterien können Sie nun sehr gut nachvollziehen, worin der Unterschied zwischen einer privaten Ansammlung von Gegenständen und einem Museum liegt. Denn als Privatmensch dürfen Sie nach persönlichem Geschmack sammeln und sich von allem wieder trennen. Bestimmt lassen Sie auch nicht jeden durch Ihre Wohnung laufen, um Ihre Objekte für alle zugänglich zu machen… Haben Sie daran gedacht, Ihre Sammlung zu erforschen? Herkunft und Entwicklung aufzubereiten? Haben Sie lückenlos alle Quittungen aufgehoben, die den Kauf oder die Schenkung belegen und diese in einzelnen Objektakten dokumentiert? Und bitteschön: Zum Säubern nicht den Staubwedel oder die Spülmaschine benutzen, sondern einen Fachmann beauftragen. Natürlich steht es Ihnen frei, aus Ihrer ganz privaten Sammlung ein Museum zu gründen. Wenn Sie sich dabei an die oben genannten Regeln halten, wird bestimmt eine großartige, erfolgreiche Institution entstehen.

Autorin: Lena Weber

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