Eine steinzeitliche Tonstatuette von Immenhausen

Gefäßscherben, Steingeräte und Knochen stellen für gewöhnlich den größten Teil dessen dar, was man bei archäologischen Ausgrabungen findet. Solche Reste sind alles andere als wertlos, denn gerade die einfachen und eher unscheinbaren Gegenstände geben oft Aufschluss über das Alter und die einstmalige Nutzung von Fundstellen. Dennoch freut man sich natürlich über besondere Objekte, die sich von der Masse des „Üblichen“ abheben.

Was ein Objekt besonders macht, kann sehr unterschiedlich sein: ein selten verwendetes Material, die Qualität der Verarbeitung oder die außergewöhnlich gute Erhaltung. Im Falle der Tonstatuette von Immenhausen (bei Kassel) ist es die Objektkategorie an sich. Das Stück gehört zu den wenigen figürlichen Zeugnissen vom Beginn der Jungsteinzeit, die sich bis heute erhalten haben (Bandkeramische Kultur, ca. 5.500 – 4.900 v. Chr.).

Die Tonstatuette wurde im Jahr 1999 bei archäologischen Ausgrabungen in Immenhausen entdeckt. Sie ist 6,30 cm hoch und zeigt den Oberkörper und den Kopf eines Menschen, der dem Betrachter ein Gefäß entgegenhält. Die Fundstelle wurde sorgfältig untersucht. Man weiß daher, dass die Figur vom Gelände einer steinzeitlichen Siedlung stammt, genauer gesagt aus einer steinzeitlichen Abfallgrube (lesen Sie dazu auch: „Archäologie – ein Abfallprodukt„). Sie muss zerbrochen gewesen sein, bevor sie in die Erde kam, denn ihre Kanten zeigen nur verwitterte und daher alte Brüche. Auch wurden keine Reste vom unteren Teil des modellierten Körpers gefunden. Es spricht daher einiges dafür, dass sie beschädigt und anschließend einfach weggeworfen wurde.

Wozu dienten derartige Tonstatuetten? Fest steht, dass vergleichbare Stücke derselben Zeit vorwiegend aus Siedlungen stammen und nur äußerst selten vollständig überliefert sind – genau wie das Stück von Immenhausen. Manche Archäologen vermuten daher, dass solche Figuren absichtlich zerbrochen wurden, vielleicht sogar bei religiösen Handlungen. Alternativ ließe sich zum Beispiel an eine Verwendung als Spielzeug für die Unterhaltung von Kindern denken.

Ganz genau wird man wohl nie wissen können, zu welchem Zweck die Tonstatuette von Immenhausen hergestellt wurde. Sie gehört aber zweifellos zu den besonders anschaulichen und eindrucksvollen Hinterlassenschaften der Steinzeit unter den nordhessischen Bodenfunden. In der Abteilung Vor- und Frühgeschichte in der neuen Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum können Sie sich dann selbst ein Bild von diesem seltenen Fundstück machen.

Autor: Andreas Sattler