„In Szene gesetzt“ – Ein Termin in der Fotowerkstatt der MHK

Mittwochmittag, ein Termin in der Fotowerkstatt der MHK. Der frühmittelalterliche Schädel von Eschwege-Niederhone muss noch fotografiert werden, bevor er als Dauerleihgabe nach Paderborn gegeben werden kann. Mit der Neueinrichtung des Hessischen Landesmuseums in Kassel hat er im Grunde nichts zu tun. Wir nutzen aber die Gelegenheit, um einen Blick hinter die Kulissen des Museumsbetriebs zu werfen.

Die Fotowerkstatt der MHK befindet sich im Schloss Wilhelmshöhe. Es gibt zwei Räume mit hochwertigen Digitalkameras, Rechnern und allerlei Vorrichtungen, die zum Arrangieren und Ausleuchten von Objekten benötigt werden: verschiedene Arbeitsflächen, Tageslichtlampen, Blitzgeräte, Reflexschirme und vieles mehr. Inmitten der Apparaturen arbeitet Ute Brunzel, Fotografin und freie Mitarbeiterin der MHK. Sie hat sich freundlicherweise zu einem kleinen Interview bereit erklärt.

Liebe Frau Brunzel, welche Aufgaben haben Sie im Rahmen der Neueinrichtung des Hessischen Landesmuseums?

„Zurzeit wird viel für die neue Dauerausstellung und die zugehörigen Begleitpublikationen fotografiert. Die Gelegenheit ist günstig, weil die zukünftigen Exponate noch nicht in den Vitrinen stehen und viele direkt aus der Restaurierung in die Fotowerkstatt gelangen.“

Gibt es Objekte, die Sie besonders gerne fotografieren?

„Eigentlich alle Objekte, die interessant zu bearbeiten sind. Das gilt zum Beispiel für Gegenstände mit knifflig auszuleuchtenden Formen. Das Abfotografieren von Schriftstücken oder alten Fotografien ist ebenso wichtig, verlangt aber weniger Geduld.“

Welche Objekte sind besonders schwierig?

„In der Regel alles, was glänzt. Schließlich will man ja nicht die Gerätschaften des Ateliers im Objekt gespiegelt sehen. Spiegelungen lassen sich vermeiden, indem das Objekt mit Pergamentfolie oder Styropor von der Umgebung abgeschirmt wird. Bei aufwendig gestalteten Objekten aus Silber oder Gold kann schon mal ein halber Tag vergehen, bis das Ergebnis zufriedenstellend ist. Glanz und Spiegelungen können aber auch hilfreich sein, etwa dann, wenn das Relief einer Münze oder Gemme sichtbar gemacht werden soll.“

Was muss man beachten, wenn man ein wirklich gutes Bild machen will?

„Vor allem die richtige Perspektive und das richtige Arrangement sind wichtig, denn Objektfotos können sehr unterschiedlich sein: schlicht und sachlich oder überraschend und verspielt. Viel Aufmerksamkeit verlangt auch das Ausleuchten der Gegenstände. Ziel ist ein angenehmes Licht, das alle interessanten Details sichtbar macht.“

Was macht die Arbeit am Museum für Sie als Fotografin interessant?

„Die Objektfotografie. Reizvoll sind die schönen, je nach Sammlungsbereich sehr unterschiedlichen Gegenstände. Man freut sich, wenn es gelingt, sie schön in Szene zu setzen.“

 

Frau Brunzels Fotografien sind bereits in zahlreichen Publikationen der MHK erschienen. Weitere werden im Katalog zur neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums in Kassel zu sehen sein. Sie unterstützt damit den hauptamtlichen Fotografen der MHK, Arno Hensmanns, in seiner Arbeit. Wir bedanken uns bei Frau Brunzel für den spannenden Einblick in ihr Arbeitsfeld.

AutorIn: Andreas Sattler, Ute Brunzel

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