Fußböden: neu und alt

Heute widmen wir uns einem im wahrsten Sinne „bodenständigen“ Thema. Unser Kollege Frank Pütz hat sich auf den Weg ins Hessische Landesmuseum gemacht, um dort die verschiedenen Fußböden unter die Lupe zu nehmen. Im Folgenden erfahren Sie, wie in einigen Ausstellungsräumen neue Gussasphaltestriche eingebaut wurden und auf welchen Böden die Besucher vor 100 Jahren wandelten.

Museumsbesuch im Dezember 2014

Draußen herrscht ungemütliches Kasseler Winterwetter, im Inneren des Hessischen Landesmuseums hingegen kann man sich mancherorts derzeit nicht gerade über zu niedrige Temperaturen beschweren. Das ist dort der Fall, wo in den Ausstellungsräumen die neuen Fußböden aus Gussasphalt eingebaut werden.

Das Material weist eine Verarbeitungstemperatur zwischen 220° und 230° C auf. Während im Straßenbau Verarbeitung und Einbau mittels großer Maschinen erfolgen, ist das in Innenräumen jedoch kaum möglich. Daher geht es hier etwas „altertümlicher“, aber nicht weniger effektiv zu: Ein fahrbarer Asphaltkocher bringt die heiße Rohmasse vom Hersteller zur Baustelle; während des Transportes wird der Kocher ständig geheizt und der Gussasphalt durch ein Rührwerk weiter gemischt. Auf der Baustelle selbst dienen Holzkübel zum Weitertransport bis an den eigentlichen Einbauort. Dort wird der Asphalt ausgegossen und mit ebenfalls hölzernen Asphaltstreichern so lange verteilt, bis er die geforderte Dicke erreicht hat. Im Gegensatz zu anderen Materialien, die mit ähnlicher Konsistenz verbaut werden, etwa Zementestrich oder Terrazzo, muss der Asphalt nun nicht erst lange trocknen, sondern kann gleich nach dem Abkühlen betreten werden. Nach wenigen Stunden ist er ausgehärtet und nach spätestens einem Tag kann die Oberfläche weiter bearbeitet werden. In unserem Fall werden die Flächen mehrfach geschliffen, so dass sich abschließend eine glatte, glänzende Oberfläche ergibt, die in der hochwertigen Anmutung einem Terrazzoboden gleichkommt.

Gegenüber Terrazzo haben Fußböden aus Gussasphalt – bzw. Gussasphaltestrich, wie die genaue Bezeichnung lautet – die Vorteile, dass sie eine geringere Aufbauhöhe besitzen, auch in fertigem Zustand eine gewisse Elastizität aufweisen und beim Einbau keine Feuchtigkeit in das Gebäude eingebracht wird. Vor diesem Hintergrund nimmt man den hohen Aufwand durch die händische Verarbeitung und das mehrfache Schleifen der Oberfläche gerne in Kauf. Denn man erhält einen ebenso edel wirkenden wie langlebigen Fußboden, der sich auch vor den 100 Jahre alten bauzeitlichen Böden nicht verstecken muss, die es im Museumsgebäude weiterhin gibt.

Museumsbesuch im August 1913

Welche Fußböden fand ein Besucher vor, wenn er im Sommer 1913, unmittelbar nach der Eröffnung des Landesmuseums, das Haus betrat? Die Repräsentationsräume, die sich in der Mittelachse des Gebäudes erstrecken, waren unter anderem durch besonders gestaltete Böden ausgezeichnet: In der Eingangshalle befand sich ein beige-grauer Gipsestrich, der durch eingelegte Bänder aus schwarzen Mosaiksteinen in ein regelmäßiges Raster unterteilt war. Im anschließenden Antikensaal, der „Basilika“, befand sich ein gleichartig aufgebauter Boden, der aber farblich anders gestaltet war. In grauem Gipsestrich war hier mit gelblichen und schwarzen Mosaiksteinen ein geometrisches Linienmuster aus Kreisen und Rechtecken verlegt. Diese beiden Böden konnten ein gewisses antikisierendes Erscheinungsbild nicht verleugnen und passten damit gut zu den Skulpturen der Antikensammlung, die in der „Basilika“ ausgestellt waren. Begab man sich über die Haupttreppe ins Obergeschoss, so betrat man Stufen aus grauem schlesischem Marmor. Der folgende Wappen- oder Ehrensaal hatte ebenfalls einen Marmorboden, hier mit einem Schachbrettmuster aus hell- und dunkelgrauen quadratischen Platten.

Auch unter den Ausstellungsräumen waren einige hervorgehoben: Der „Goldsaal“, in dem die Edelmetallobjekte aus der landgräflichen Schatzkammer gezeigt wurden, hatte ein Parkett aus quadratischen Tafeln. Im „Empirezimmer“ war sogar ein historischer Parkettboden des 18. Jahrhunderts eingebaut. Der Kirchensaal und sein Vorraum besaßen einen Boden aus hartgebrannten, naturroten Ziegelplatten. Dadurch sollte hier eine sakrale Raumwirkung angedeutet werden. Die übrigen Ausstellungsräume hatten einen einfachen, aber robusten Bodenbelag aus braunem Linoleum der Delmenhorster Anker-Marke, ein damals überaus modernes Material.

Die Entscheidung für Gussasphalt

Bis auf den Parkettboden des „Empirezimmers“, der natürlich zugleich ein Ausstellungsstück bildete und der heute leider verschollen ist, sind alle beschriebenen Böden, die durch Material und Gestaltung dazu dienten, ihren Räumen eine besondere Wirkung zu verleihen, nach wie vor erhalten und werden auch zukünftig weiter genutzt. Die Linoleumböden hingegen waren bei Beginn der Bauarbeiten am Landesmuseum nur noch in Resten vorhanden und auch diese nach 100 Jahren so abgenutzt, dass sie ersetzt werden mussten. In einem kleinen und offenbar wenig genutzten Nebenraum hat sich das bauzeitliche Linoleum allerdings flächendeckend erhalten; diese Fläche bleibt als Beleg für die ursprünglichen Böden bestehen.

Bei der Neuausstattung der Ausstellungsräume wiederum Linoleum zu verwenden, wäre in denkmalpflegerischer Hinsicht natürlich begrüßenswert gewesen. Mit den Anforderungen, die die neue Ausstellungsarchitektur an den Fußbodenaufbau stellt, ließ sich das aber leider nicht vereinbaren. Die Böden müssen mannigfache Installationen aufnehmen, die für die Beleuchtung von Vitrinen oder das Ansteuern von Medienstationen nötig sind. Zudem weisen die bauzeitlichen Betondecken oftmals Unebenheiten auf, die ausgeglichen werden müssen. Ein Bodenaufbau aus Estrich und zusätzlich darauf verlegtem Linoleum wäre letztlich zu hoch geworden. In dieser Situation bot sich der Gussasphalt als in jeder Hinsicht sinnvolle Alternative an.

Fertiggestellter Gussasphalt nach dem Abschleifen. Im Rot-Ton dieser Musterfläche werden die Fußböden in den Ausstellungsräumen des 2. Obergeschosses ausgeführt.
Fertiggestellter Gussasphalt nach dem Abschleifen. Im Rot-Ton dieser Musterfläche werden die Fußböden in den Ausstellungsräumen des 2. Obergeschosses ausgeführt.

Ein Blick auf die neuen und alten Fußböden lohnt sich auf jeden Fall!

Autor: Frank Pütz

 

3 Antworten auf „Fußböden: neu und alt“

  1. Klasse, der Artikel konnte mir genau die Antworten geben, die ich gesucht hatte, und das war jetzt kein wirklich allgemein breitgetretenes Thema – welche Boeden hatten Menschen vor 100 Jahren? Auch wenn es sich hier in diesem Artikel um ein Museum handelt, kann ich mir gut vorstellen, dass auch in Wohnhaeusern Linoleum, Estrich, Parkett oder Ziegelplatten lagen. Wir hatten naemlich kuerzlich die Diskussion, ob es tatsaechlich nachhaltig waere, wenn alle Naturfussboeden z.B. aus Holzdielen haetten, statt dem stark chemisch belasteteten Laminat. Man hielt mir vor, soviel Wald gaebe es gar nicht, was ich nicht glaubte, da doch „alle damals Holzfussboden“ hatten. War aber eben doch nicht so 🙂 Danke fuer die interessanten Infos!

    1. Hallo Jasmin,
      es freut uns sehr, dass Ihnen der Artikel gefallen hat. Tatsächlich kann ein öffentliches Gebäude wie ein Museum aber nicht unbedingt stellvertretend für die damaligen Verhältnisse in Sachen Fußböden stehen.

      Zu Hause in ihren Wohnräumen sind die meisten Deutschen vor 100 Jahren ziemlich sicher auf Holz in irgendeiner Form rumgelaufen. Das reichte von einfachen Dielen aus Nadelholz bis zu aufwendigem Parkett aus Eiche oder sogar tropischen Hölzern. Überhaupt war Holz (neben Natur- und Ziegelsteinen) bis weit ins 20. Jahrhundert hinein das meistverwendete Baumaterial überhaupt.

      Als weitere Möglichkeit für Fußböden begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts übrigens der Teppichboden beliebt zu werden, er war zunächst allerdings noch sehr teuer und entsprechend dem luxuriösen Wohnen vorbehalten, erst mit der Herstellung billiger Kunstfasern wurde er in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Massenphänomen. Am Ende des 20. Jahrhunderts haben ihn dann Laminatböden in der Beliebtheitsskala abgelöst.

      Über die Nachhaltigkeit von Baumaterialien kann man lange diskutieren. Was wir heute an Laminat, PVC, diversen Verbundstoffen und Ähnlichem mehr in unseren Wohnungen haben, fällt aber sicher nicht in diese Kategorie. Die meisten dieser „modernen“ Materialien werden wohl kaum 100 Jahre lang ihren Zweck erfüllen.

Kommentare sind geschlossen.