Persönliche Weihnacht

„Fröhliche Weihnacht überall“… Heiligabend im Kreise der Familie mit Weihnachtsliedern, geschmücktem Christbaum, Krippe, Festessen und Geschenken ist wohl in ganz Deutschland beliebter Brauch. Gibt es jedoch auch regionale Besonderheiten? Wir wollen heute der Frage nachgehen, wie in unserem Bundesland Weihnachten gefeiert wird.

Sabina Köhler
Sabina Köhler

Ich habe mich daher auf den Weg ins Büro meiner Kollegin Sabina Köhler gemacht, die sich mit hessischen Traditionen sehr gut auskennt. Frau Köhler arbeitet seit neun Jahren bei der Museumslandschaft Hessen Kassel in der Öffentlichkeitsarbeit und ist in ihrer Abteilung mit sämtlichen Einrichtungen der MHK vertraut – so auch mit dem Hessischen Landesmuseum. Sie kommt ursprünglich aus Marburg und lebt mit ihrem Mann seit 1979 in Kassel. Für unseren heutigen, ganz persönlichen Blog-Beitrag erzählte mir Frau Köhler, wie früher in ihrer Familie Weihnachten gefeiert wurde und wie sie jetzt den Heiligabend verbringt.

Dr. Oetker-Rezeptsammlung aus den 1950ern (MHK, Sammlung Volkskunde)
Dr. Oetker-Rezeptsammlung aus den 1950ern (MHK, Sammlung Volkskunde)

An den Tagen kurz vor Weihnachten wurde das Essen für das Fest vorbereitet. Es wurde geschlachtet, Brot gebacken und dabei die Resthitze des Ofens für Plätzchen genutzt. Den Stollenteig brachte Familie Köhler zum Bäcker, weil dieser größere Öfen besaß. Außerdem holte die Mutter etwas ganz Besonderes hervor: Eine grüne, mit Zweigen verzierte Pappschachtel, in der 20 Kerzen aufbewahrt waren. Da diese so kostbar waren, wurden sie nur sparsam für einige Stunden angezündet

An Heiligabend kam typischerweise das Christkind. Frau Köhler selbst hat es nie gesehen, aber zumindest ein geheimnisvolles Glöckchen gehört. Später stellte sich heraus, dass das Glockengeräusch von ihrer Mutter kam, die in der Küche mit einem Teelöffel an ein Wasserglas klopfte. Ob das Christkind jemals da war, bleibt wohl ein Geheimnis… Geschenke gab es bei Familie Köhler nur wenige – hauptsächlich selbstgemachte, wie etwa gestrickte Socken (diese sind noch heute heiß geliebt). Da die Familie einen Hof besaß, kamen auch die Tiere nicht zu kurz: sie erhielten eine extra Portion Futter und Streicheleinheiten.

Zwischen den Jahren durfte übrigens nicht gewaschen werden, weil es angeblich Unglück brachte – es war aber sicherlich auch als Entlastung für die Hausfrau gedacht.

Bottichwaschmaschine (MHK, Sammlung Volkskunde)
Bottichwaschmaschine (MHK, Sammlung Volkskunde)

Neben Kindheitserinnerungen wusste Frau Köhler auch von einem ganz besonderen Weihnachtsbaum zu erzählen. Als sie zum ersten Mal Weihnachten allein mit ihrem Mann feierte, hatten sie weder Christbaum noch dazugehörigen Schmuck. Daher fällte ihr Vater extra eine kleine, windschiefe Tanne im Wald, schmückte sie mit drei Kerzen, die mithilfe hölzerner Wäscheklammern an den Zweigen befestigt waren, und brachte sie dem jungen Paar. Weihnachten war somit gerettet!

Weihnachtsbaum im Foyer von Schloss Wilhelmshöhe
Weihnachtsbaum im Foyer von Schloss Wilhelmshöhe

Dieses Jahr feiert Sabina Köhler Heiligabend und die Festtage wie immer im Kreise ihrer Familie – mit selbstgemachten (und gekauften) Geschenken sowie leckerem Heringssalat mit kleinen Schnitzelstückchen, wie sie ihn schon als Kind gern gegessen hat.

Liebe Leserinnen und Leser, wir wünschen Ihnen Frohe Weihnachten, besinnliche Festtage und einen guten Rutsch ins Neue (Blog)Jahr!

Nikolaus Hoffmann, Weihnachtsbescherung, um 1760/1765 (MHK, Gemäldegalerie Alte Meister)
Nikolaus Hoffmann, Weihnachtsbescherung, um 1760/1765 (MHK, Gemäldegalerie Alte Meister)

Autorin: Susann Elsner