Eine Bernsteinkostbarkeit der Sammlung Angewandte Kunst

Bernstein diente schon seit vorgeschichtlichen Zeiten den Menschen als Schmuck. Den Höhepunkt seiner Beliebtheit hatte dieses geheimnisvoll anmutende Material im 17. Jahrhundert. Bernstein weist unendlich weiche Farbschattierungen auf, es schwimmt und wird vom Meer als Naturschatz ans Ufer geworfen, es brennt (Bernstein = Brennstein) und riecht dabei angenehm und entwickelt durch Reibung Anziehungskraft. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde seine wahre Natur als fossiles Baumharz erkannt. Das verhältnismäßig weiche und daher leicht zu bearbeitende Material wurde für Möbel, Kästchen, Leuchter und Spiegelrahmen verwendet, schmückte Schalen, Schüsseln, Trinkgefäße und dergleichen, diente für Schachfiguren und Kleinplastiken und zahllose weitere Dinge, die den Alltag verschönerten.

Bernstein wird auch heute noch weltweit gewonnen. Der bedeutendste Fundort Mitteleuropas liegt an der Ostsee. Die brandenburgisch-preußische Krone war seit Mitte des 17. Jahrhunderts Inhaber des „Bernstein-Regals“, besaß also das Monopol über den dort gefundenen Bernstein. Zentren der Verarbeitung waren zu dieser Zeit Königsberg und Danzig.

Im Auftrag Friedrich Wilhelms von Brandenburg (1620 – 1688), des Großen Kurfürsten, wurden prächtige Luxusgegenstände geschaffen, die als Staatsgeschenke bald Eingang in die Haushalte und Kunstkammern hoher Adeliger fanden.

Die Sammlung der hessischen Landgrafen vereint einen besonders großen und vielfältigen Bestand an ostpreußischen Bernsteinarbeiten des 17. und 18. Jahrhunderts. Die meisten Stücke sind vermutlich nach Kassel gelangt als Geschenke brandenburgischer Fürsten, zu welchen durch mannigfache Heiraten enge verwandtschaftliche Beziehungen bestanden.

Herausragend ist ein Kästchen mit den Statuetten des Großen Kurfürsten und seiner (1.) Gemahlin Louise Henriette von Oranien (1627 – 1667), entstanden um die Mitte des 17. Jahrhunderts (1646 – 1667). Die Gruppe kann als ein Hauptwerk der Bernsteinschneidekunst und einzigartiges Beispiel der Kleinskulptur gelten, handelt es sich doch um eines der seltenen Porträts dieses Fürstenpaares.

Kleinskulptur aus Bernstein (MHK, Sammlung Angewandte Kunst, um 1646 – 1667)
Kleinskulptur aus Bernstein (MHK, Sammlung Angewandte Kunst, um 1646 – 1667)

Anlass der Schenkung könnte die Hochzeit von Landgraf Carl von Hessen-Kassel (1654 – 1730) mit Maria Amalia von Kurland (1653 – 1711) im Jahr 1673 gewesen sein, Neffe und Nichte des Großen Kurfürsten.

Weitere Beispiele der Sammlung werden in der neuen Präsentation des Landesmuseums zu sehen sein.

Autorin: Cornelia Weinberger