Baufortschritte im Hessischen Landesmuseum

„Dein Museum fängt an, mir Freude zu machen […]“, schrieb der Architekt Theodor Fischer an den Museumsdirektor Johannes Boehlau im Dezember 1910, nachdem die Bauarbeiten am neuen Landesmuseum nach langer und mühsamer Vorbereitung endlich begonnen hatten. Heute, im Frühjahr 2015, ist die aktuelle Baumaßnahme zum Glück bereits über den Anfang hinaus gediehen. Vieles, was bislang nur in den Plänen und Entwürfen zu sehen war, ist jetzt schon am Gebäude selbst zu erleben. Und dementsprechend fängt das Museum an, auch uns Freude zu bereiten. Trotzdem liegt bis zur Fertigstellung der Bauarbeiten und erst recht bis zur Einrichtung und letztendlichen Eröffnung des Hauses noch eine beachtliche Wegstrecke vor uns. Bis es soweit ist, wollen wir uns ansehen, was es Neues auf der Baustelle gibt.

Die Hofüberdachungen, von denen ja schon berichtet wurde, sind mittlerweile fertiggestellt. Auch die dafür benötigten voluminösen Gerüste in den Hofräumen sind nun abgebaut. Das sichtbare Ergebnis überzeugt voll und ganz: Die Wirkung der Höfe als Außenräume bleibt erhalten, zugleich sind sie als vollwertige Ausstellungsräume nutzbar.

Im ehemaligen Kirchensaal konnte die ursprüngliche räumliche Einheit aus dem Vorraum und dem eigentlichen Saal durch die Öffnung der beiden Bögen wiederhergestellt werden. Sie waren bei einem Umbau 1935 vermauert worden. Nicht wiederherstellen ließ sich die frühere Zweigeschossigkeit des Saales. Die ebenfalls 1935 eingezogene Zwischendecke musste aus statischen Gründen wegen des geänderten Erschließungsweges im Stockwerk darüber erhalten bleiben.

Ehemaliger Kirchensaal mit der Apsis im Hintergrund. Die Farbgebung des Raumes ist noch nicht endgültig.
Ehemaliger Kirchensaal mit der Apsis im Hintergrund. Die Farbgebung des Raumes ist noch nicht endgültig.

Im Erdgeschoss ist jetzt der freie Durchgang und vor allem der Durchblick von der Eingangshalle durch das Haupttreppenhaus in den Antikensaal wieder möglich. Die Öffnung war seit 1992 durch eine klobig wirkende Brandschutztür verstellt. Zwar wird aus Brandschutzgründen wieder eine Tür eingebaut werden müssen, die jedoch heute wesentlich filigraner ausfallen kann und die Durchsicht nicht mehr stören wird.

Eingangshalle mit Blick durch das Haupttreppenhaus in den Antikensaal, im Hintergrund die Öffnungen zum 2. Obergeschoss
Eingangshalle mit Blick durch das Haupttreppenhaus in den Antikensaal, im Hintergrund die Öffnungen zum 2. Obergeschoss

Ebenso konnten die Öffnungen zwischen dem Antikensaal und dem dahinter gelegenen Ausstellungsraum im zweiten Obergeschoss wieder geöffnet werden. Auch sie waren bei einem vollständigen Umbau des Saales 1935 zugesetzt worden. Auf die freie Blickverbindung zwischen den Räumen in der Mittelachse hatte Theodor Fischer bei der Planung besonderen Wert gelegt und den Antikensaal damit als architektonischen Mittelpunkt des Hauses gestaltet. Die räumliche Offenheit als ein Hauptmerkmal der Architektur Fischers ist jetzt wieder erlebbar geworden. Allerdings vorerst mit Einschränkungen, denn der Antikensaal ist derzeit durch ein Gerüst zugestellt, da hier noch Restaurierungsarbeiten im Gange sind.

Antikensaal mit Gerüst
Antikensaal mit Gerüst

 

Am Außenbau ist auf den ersten Blick wenig geschehen. Bei genauerem Hinsehen erkennt man aber auch hier die Instandsetzungsarbeiten: Sämtliche Natursteinoberflächen wurden gründlich gereinigt, Schäden ausgebessert und das Mauerwerk neu verfugt. Ebenfalls nahezu abgeschlossen ist die Aufarbeitung der Fenster.

Nordfassade des Hessischen Landesmuseums mit dem Turm
Nordfassade des Hessischen Landesmuseums mit dem Turm

Es hat sich also in der letzten Zeit einiges im Hessischen Landesmuseum getan, und so langsam lässt sich erahnen, wie der Endzustand der Baumaßnahmen aussehen wird. Sobald es Neuigkeiten gibt, werden wir natürlich wieder von den Fortschritten berichten.

Autor: Frank Pütz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.