Ostereier in der Sammlung Angewandte Kunst?

In den Beständen der Sammlung Angewandte Kunst finden sich zahlreiche Straußeneier – kunstvoll geschnitzt, kostbar gefasst, aber auch bemalt, so wie in zahlreichen Haushalten Hühnereiern dieser Tage ihr buntes Osterkleid verliehen wird. Doch haben die wertvoll inszenierten Eier des afrikanischen Laufvogels tatsächlich etwas mit Ostern zu tun?

Eier gelten in der christlichen Theologie als Symbol der Auferstehung Christi. Denn so wie Jesus bei seiner Auferstehung das Felsengrab geöffnet hat, so durchbricht beim Schlüpfen neues Leben die Eierschale. Als Zeichen des Lebens, der Erneuerung und der Fruchtbarkeit galten Eier bereits in der Antike. So wurden schon im antiken Griechenland, in Persien aber auch in China teils bunt gefärbte Eier zum Frühlingsanfang verschenkt.

Für Deutschland sind gefärbte Eier erstmals im frühen 13. Jahrhundert belegt. Zahlreiche Eierbräuche und -spiele sind vielfach und in stark regionaler Ausprägung überliefert: sei es das Verschenken bunter Eier als Gunstbeweis und Glückssymbol oder das sogenannte „Eierpecken“, das Aneinanderstoßen hartgekochter Eier an Spitze und Boden, bis das letzte heile Ei den Sieger kürt und ihm für das kommende Jahr Glück verheißt.

Auch Straußeneier, denen in der christlichen Symbolik eine besondere Rolle zukam, galten als Glücksbringer. So glaubte man nach frühchristlicher Lehre, dass der Vogel Strauß seine Eier allein von der Sonne ausbrüten lassen würde, was ihn zu einem Sinnbild für Christus werden ließ, der durch Gottvater vom Tode erweckt worden war. Gleichfalls wurde das Straußenei als Symbol der jungfräulichen Empfängnis Mariae gedeutet. Aber auch in der Emblematik, der allegorischen Darstellungen verschlüsselter Inhalte in Wort und Bild, war der Vogel Strauß von Bedeutung. So war bereits in der Antike die Vorstellung verbreitet, dass der Strauß Eisen verdauen könne. Diese Fähigkeit wurde als Sinnbild der Stärke und der Standfestigkeit des Geistes gedeutet, weshalb der Strauß häufig mit einem Hufeisen im Schnabel dargestellt wurde, wie es auch bei dem hier gezeigten Kunstwerk zu sehen ist.

Martin Burckhardt, Straußeipokal in Gestalt eines Straußes, um 1600, Eger (MHK, Sammlung Angewandte Kunst)
Martin Burckhardt, Straußeipokal in Gestalt eines Straußes, um 1600, Eger (MHK, Sammlung Angewandte Kunst)

Bei diesem um 1600 von Martin Burckhardt gefertigten Straußeneipokal in Gestalt eines Straußes handelt es sich vermutlich um ein Geschenk des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel (1572 – 1632) an seine zweite Frau Juliane von Nassau-Dillenburg (1587 – 1643). Solche exotischen Kleinodien, in Silber und Gold als Trinkpokale gefasst oder mit kunstvollen Gravuren versehen, waren repräsentative Geschenke und Prunkstücke der fürstlichen Schatzkammern. Anlässlich verschiedenster Feierlichkeiten überreicht, spiegelten sie Macht und Reichtum des Schenkenden wider und ehrten den Beschenkten.

Die kostbaren Straußeneierpreziosen der Barockzeit haben mit dem Osterfest also nichts zu tun. Nichts desto trotz faszinieren uns diese Stücke noch heute. Einige besondere Stücke unserer Straußeneisammlung werden auch in der neuen Dauerausstellung zu bewundern sein.

Frohe Ostern wünscht das Blog-Team des Hessischen Landesmuseums!

Autorin: Stefanie Cossalter-Dallmann


[1] Wer für das eigene Osterfest noch Inspirationen für das Wiederauflebenlassen alter Osterbräuche sucht, den möchten wir an dieser Stelle an den Blog-Beitrag von Lena Weber vom letzten Jahr verweisen.

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