Die Sammlungsleiterinnen (3): Dr. Martina Lüdicke

Liebe Frau Lüdicke, von was halte ich Sie gerade ab?

Im Moment lese ich Druckfahnen der Objekttexte für die neue Dauerausstellung Korrektur.

Welchen Berufswunsch hatten Sie mit fünf Jahren?

Mit fünf Jahren wusste ich noch gar nicht, dass man später einmal arbeiten muss. Später wollte ich dann Gärtnerin werden und schließlich Archäologin.

Und wie hat es Sie dann ins Museum verschlagen?

Das Studium der Volkskunde und die Beschäftigung mit historischen Artefakten hat mein Interesse an der Museumsarbeit geweckt. In einem Praktikum konnte ich dann auch erste Erfahrungen sammeln.

Wie würden Sie die Sammlung Volkskunde mit drei Schlagwörtern beschreiben?

Alltagskultur – menschlich – anregend.

Wieso sollen Besucher sich die neue Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum ansehen?

In der neuen Dauerausstellung können die Besucher etwas über ihre eigene Geschichte lernen und einen Einblick in vergangene Lebenswelten erhalten. Genau deswegen sollten sie sich das Landesmuseum ansehen.

Wenn Sie ein Exponat aus der Dauerausstellung sein könnten, welches wären Sie dann gerne?

Dann wäre ich gerne ein ganzes Ensemble: die Schwälmer Stube. Die Schwälmer Stube, eine Zusammenstellung von rund 170 Objekten, Möbeln und Hausrat, wurde bereits 1913 zur Eröffnung des Hessischen Landesmuseums in Kassel präsentiert und zeigte in zwei Räumen Schwälmer Wohnkultur. Dies war eine Inszenierung, so dass schon vor über 100 Jahren eine Vorstellung von bäuerlichen Wohnverhältnissen präsentiert wurde, die es in dieser Form gar nicht gab. Auch aus museumswissenschaftlicher Sicht ist das Ensemble der Schwälmer Stube spannend, da sie zeigt, wie damals museale Präsentationen entstanden.

Dr. Martina Lüdicke
Dr. Martina Lüdicke

Nach einem Studium der Volkskunde, Germanistik und Soziologie an der Georg-August-Universität Göttingen zog es Martina Lüdicke nicht direkt in die Museumswelt. Zunächst arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft an der Enzyklopädie des Märchens in Göttingen und promovierte über Kirchenzucht und Alltagsleben in der reformierten hessischen Gemeinde Deisel. Der Promotion folgten ein wissenschaftliches Volontariat in der Sammlung Volkskunde der Museumslandschaft Hessen Kassel sowie mehrere Jahre freiberufliche Tätigkeit. Seit 2009 ist sie die Leiterin der Sammlung Volkskunde der MHK.

Das Interview führte Almuth Kölsch.

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