Dritter Blick in die Restaurierungswerkstatt

Heute nehmen wir ein besonders großes Objekt unter die Restaurierungslupe. Es handelt sich um das Gemälde „Landgraf Moritz von Hessen-Kassel mit seiner Familie“ von August Erich (1591 – 1670), welches in der Höhe 230,5 cm und in der Breite 422 cm misst.

August Erich (1591 – 1670), Landgraf Moritz von Hessen-Kassel mit seiner Familie, 1618 – 1628, Öl auf Leinwand, 230,5 cm x 422 cm (MHK, Gemäldegalerie Alte Meister), Zustand vor der Restaurierung
August Erich (1591 – 1670), Landgraf Moritz von Hessen-Kassel mit seiner Familie, 1618 – 1628, Öl auf Leinwand, 230,5 cm x 422 cm (MHK, Gemäldegalerie Alte Meister), Zustand vor der Restaurierung

Das Familienporträt mit seinen gewaltigen Ausmaßen wird zukünftig im Hessischen Landesmuseum in der ersten Etage im Raum zum Thema „Goldenes Zeitalter und Katastrophen“ zu sehen sein. Dort geht es um die Regierungszeit des Landgrafen Moritz des Gelehrten (1592 – 1627), die glänzende Hofkultur in Kassel, aber auch um die damalige Geldkrise der Kipper- und Wipper-Zeit sowie den Dreißigjährigen Krieg.

Landgraf Moritz wurde aufgrund seiner umfassenden Bildung „Der Gelehrte“ genannt. Er soll nicht nur in den Naturwissenschaften wie beispielsweise der Alchimie versiert und musisch begabt gewesen sein, sondern auch mehrere Sprachen beherrscht haben. Mit seiner zweiten Ehefrau Juliane von Nassau-Dillenburg hatte er 14 Kinder, die allesamt auf dem großen Familienporträt dargestellt sind.

Bevor das Gemälde jedoch in der neuen Dauerausstellung zu sehen sein wird, muss es restauriert werden. Bereits im Jahr 2006, im Zuge der Ausräumung des Hessischen Landesmuseums für die anschließenden Bau- und Instandsetzungsmaßnahmen, wurde das Werk mehrere Monate bearbeitet – und zwar wegen seiner immensen Ausmaße an Ort und Stelle. Die freiberufliche Diplom-Gemälderestauratorin Claudia Kluger aus Baunatal, die viel Erfahrung mit der Restaurierung von großformatigen Leinwandgemälden hat, bereitete das Werk umfassend für den Abtransport vor. Sie sicherte die spröde Malschicht, spannte das Gemälde vom Keilrahmen ab und entfernte den aufliegenden Harzfirnis (transparente Schutzschicht), großflächige Übermalungen sowie unsachgemäß aufgebrachte Flicken auf der Leinwandrückseite. Abschließend fertigte die Schreinerei der Museumslandschaft Hessen Kassel eine Holzrolle mit einem Durchmesser von 80 cm an, auf der das Bild mit geringer Krümmung aufgerollt wurde, denn nur so konnte das Riesenformat aus dem Museum ins Depot transportiert werden. Die Kosten der damaligen Restaurierungsmaßnahmen beliefen sich auf rund 20.000 Euro.

Zur Wiedereröffnung des Hessischen Landesmuseums wird das Gemälde von Claudia Kluger fertig restauriert sein. Wie vor Baubeginn muss das Großformat auch diesmal im gerollten Zustand in den zukünftigen Ausstellungsraum zurücktransportiert werden, um dort bearbeitet zu werden, denn in aufgespanntem Zustand passt es nicht durch die niedrigen Türen des Gebäudes. Die Restaurierung wird etwa vier bis fünf Monate in Anspruch nehmen. Die Restauratorin wird nun ehemals unsachgemäß umgeklappte, originale Randbereiche der Leinwand wieder sichtbar machen, sodass das Bild schließlich ein wenig größer und die gesamte ursprüngliche Malerei wieder sichtbar sein wird. Außerdem werden restliche Übermalungen entfernt sowie Kittungen und umfangreiche Retuschen in der Malschicht vorgenommen. Abschließend wird Claudia Kluger einen Firnis auftragen, der vor der Wiedereinrahmung längere Zeit trocknen muss. Schließlich wird auch ein neuer Zierrahmen maßangefertigt, denn die zuvor verwendeten Leisten sind nur sehr einfach gestaltet, und das restaurierte Gemälde soll mit dem Wiedereinzug in das Museum eine ästhetisch ansprechendere Rahmung erhalten. Erst wenn das Gemälde komplett restauriert ist und an der Wand hängt, können die anderen Ausstellungsobjekte im Raum platziert werden. Diese zweite Restaurierungsphase ist ebenfalls sehr kostspielig, kann jedoch dank des Förderkreises des Museumsvereins und einer großzügigen Spende des Ehepaars Braun finanziert werden.

Die Museumslandschaft Hessen Kassel dankt auf diesem Wege nochmals all ihren Unterstützern, ohne die zahlreiche Restaurierungsprojekte nicht realisiert werden könnten.

Autorin: Susann Elsner

(Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Anne Harmssen, Leiterin der Restaurierungsabteilung der MHK.)