Lena Lang: Präventive Restauratorin und Leiterin der Depotverwaltung

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Seit ihrem ersten Museumsbesuch wusste Frau Lang, dass sie Restauratorin werden wollte. Wie sie dann letztendlich da gelandet ist, wo sie heute als Leiterin der Depotverwaltung bei der Museumslandschaft Hessen Kassel ist, erzählte sie uns in einem Interview „zwischen Tür und Angel“. Immer in Bewegung – ein typischer Zustand bei ihrer täglichen Arbeit.

Liebe Frau Lang, danke dass Sie sich für ein kurzes Gespräch Zeit nehmen konnten. Woher kommen Sie gerade, so früh am Morgen?

Gerade hatte ich eine Besprechung mit meinem Kollegen Fabian Ludovico (Projektmanager HLM), um einen anschließenden Termin vorzubereiten. Nach diesem Interview treffen wir uns mit der Firma Hasenkamp direkt auf der Baustelle des Hessischen Landesmuseums (HLM). Es geht um den Rückumzug der Objekte, die aus den Depots in die neue Dauerausstellung überführt werden müssen. Damit potenzielle Auftragnehmer Angebote schreiben können, versorgen wir sie zuvor mit allen wichtigen Informationen. Sie bekommen Pläne der einzelnen Ausstellungsräume, Objektlisten und natürlich zeigen wir Ihnen auch vor Ort die Situation. Neben Hasenkamp gibt es noch weitere Firmen, mit denen wir uns treffen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den gibt es nicht! Ich versuche mir am Anfang jeder Woche eine to-do-Liste zu machen. Diese wird aber täglich über den Haufen geworfen.
Seit einigen Monaten beschäftige ich mich aber hauptsächlich mit dem Projekt HLM. Dazu gehört viel Schreibtischarbeit – planen, organisieren, koordinieren –, viele Besprechungen, aber auch Termine vor Ort mit externen Firmen. Im Grunde genommen bin ich die Schnittstelle einerseits zwischen externen Auftragnehmern und den hauseigenen Mitarbeitern, wie den Depotverwaltern und Haustechnikern, andererseits auch zwischen den Sammlungsleiterinnen, den Restauratorinnen und Restauratoren und den Depotverwaltern.
Momentan sitze ich gemeinsam mit Fabian Ludovico an der Planung des Rückumzugs. Es muss ein Leistungsverzeichnis verfasst, die Ausschreibung formuliert und die Angebote geprüft werden.
Sobald die Baustelle freigegeben ist, werde ich ein Klimakonzept erstellen. Hierzu gehört das Beobachten des Klimas, also Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Räumen. Dafür werden Klimamessgeräte über mehrere Wochen im Gebäude aufgestellt, und nach einer anschließenden Auswertung wissen wir dann, wie die Ausstellungsräume klimatisiert werden müssen.
Während der Einrichtungszeit wird eine weitere Aufgabe dann der Transport des Kunstguts innerhalb des Gebäudes sein.

Das klingt nach einem vielfältigen Aufgabenbereich. Bleibt denn da noch Zeit, sich inhaltlich mit der Ausstellung auseinanderzusetzen? Gibt es zum Beispiel Objekte, die Ihnen besonders aufgefallen sind?

Am besten gefallen mir die Figurinen, die im Bereich Mode/Trachten zu sehen sein werden. Die Textilien insgesamt finde ich klasse!

Und wieso sollten Ihrer Meinung nach die Besucherinnen und Besucher sich die neue Dauerausstellung ansehen?

Ich denke, dass die Ausstellung besonders für Menschen aus Kassel und der Region Nordhessen interessant sein wird. Es ist immer spannend, sich mit seinen eigenen Wurzeln oder dem Ort, an dem man lebt, auseinanderzusetzen. Sich zu fragen, wer man eigentlich ist und wo man herkommt. Zumindest auf die letzte Frage wird das Landesmuseum eine Antwort geben können.

Können Sie sich denn noch an Ihren ersten Museumsbesuch erinnern?

Oh ja, das weiß ich noch ganz genau. Das war im Museum Altes Land in Jork, dort, wo ich aufgewachsen bin. Ich war elf oder zwölf Jahre alt und es wurde gerade ein Karriol, also eine einachsige Kutsche, restauriert. Das hat mich so fasziniert, dass ich von da an wusste, dass ich auch Restauratorin werden will.

Und wie sind Sie dann schließlich zur MHK gekommen?

Nach einem Vorpraktikum, welches für ein Studium der Restaurierung notwendig ist, habe ich meinen Bachelor und Master im Studiengang Präventive Konservierung an der HAWK (Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst) in Hildesheim gemacht. Danach arbeitete ich mit anderen Restauratorinnen und Restauratoren am Auszug des Herzog Anton Ulrich Museums in Braunschweig, am Historischen Museum in Bremerhaven und schließlich noch freiberuflich in Berlin. Bei der MHK bin ich nun seit zwei Jahren als Präventive Restauratorin und Leitung der Depotverwaltung angestellt und momentan hauptsächlich mit dem Projekt Landesmuseum beschäftigt.

Frau Lang, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Das Interview führte Almuth Kölsch.

Eine Antwort auf „Lena Lang: Präventive Restauratorin und Leiterin der Depotverwaltung“

  1. Liebe Frau Lang,
    das hört sich nach einem spannenden Aufgabengebiet an! Ich wollte auch schon immer Restauratorin werden. Ein tolle Gelegenheit mit Originalen arbeiten zu dürfen und hinter die Kulissen eines Museums zu blicken. Herzliche Grüße, Julia

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