Ein Kolonialwarenladen aus Kaufungen – von der Auslage in die Museumsvitrine

Am 1.12.1949 wurde der Kolonialwarenladen Finke in der Mühlenstraße 3 in Kaufungen, Kreis Kassel, eröffnet, und am 30.9.1977 wurden dort die letzten Dinge verkauft. Der Inhaber, Helmuth Finke, hätte sicher nicht damit gerechnet, dass ein Teil seines Ladens rund 40 Jahre später einmal in einem Museum präsentiert wird. Wie kam es dazu?

Helmuth Finke in seinem Laden im Dezember 1952
Helmuth Finke in seinem Laden im Dezember 1952

Der Kolonialwarenladen wurde im Jahr 2011 als Schenkung einer Nachfahrin des Ladeninhabers in die Sammlung Volkskunde der MHK aufgenommen. Inzwischen sind mehr als 500 Einzelobjekte inventarisiert. Es handelt sich dabei um Originalmöbel der Erstausstattung des Ladens, Einrichtungsgegenstände für den Verkauf und unterschiedlichste Produkte. In der neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums wird ein Teil davon im Themenbereich „Wirtschaftswunder der 1950er-Jahre“ wieder aufgebaut und mit zeittypischen Waren präsentiert.

Kolonialwarenläden gibt es heute schon lange nicht mehr. Ursprünglich boten sie vor allem „exotische“ Waren wie Kakao, Zucker und Reis aus den ehemaligen deutschen Kolonien an. Später erweiterten sie ihr Sortiment auf Produkte für den täglichen Bedarf, beispielsweise Seife und Kurz- oder Schreibwaren. Mit der zunehmenden Verbreitung großer Supermärkte verloren diese kleinen Läden, auch als „Tante-Emma-Laden“ bekannt, immer mehr an Bedeutung. Während sie in ländlichen Regionen noch bis in die 1970er-Jahre existierten, waren sie in den Städten bald kaum mehr zu finden. Daher kann der Kolonialwarenladen in der neuen Dauerausstellung eine Menge zur Konsumkultur der 1950er-/1960er-Jahre in der Region Kassel erzählen. Was haben die Menschen damals eingekauft? Wie waren die Produkte verpackt? Wie verlief die Preisentwicklung? Wie wurden die Produkte damals beworben?

Viele der damals verkauften Waren sind uns heute noch bekannt: Maggi-Gewürzflaschen oder -Gläser für Brühwürfel, ein Karton Persil-Waschpulver oder Zigarettenpackungen verschiedener Marken. Andere wiederum sind inzwischen vom Markt verschwunden, da das Produkt weiterentwickelt wurde oder die Unternehmen inzwischen nicht mehr existieren, wie beispielsweise der Camelia-Bindengürtel oder das Waschpulver der Kasseler Seifenfabriken Klippert & Wagner und Gebr. Worm.

Momentan befindet sich unser Kolonialwarenladen – bestehend aus einem Tresen, einem Schrank, mehreren Regalen und anderen Einrichtungsgegenständen – noch in der Restaurierungswerkstatt. Dort werden die Möbel gereinigt, gegebenenfalls restauriert und ausstellungsfertig gemacht. Der Großteil der Produkte ist für den Auftritt in der neuen Dauerausstellung schon vorbereitet.

Wir freuen uns bereits jetzt darauf, wenn wir die Möbel in den Ausstellungsräumen aufbauen und die Regale und Vitrinen wieder mit den original erhaltenen Produktverpackungen und anderen Objekten bestücken können; wir sind gespannt, wie der „alte Laden“ in der neuen Umgebung wirkt. Wir können Ihnen jetzt schon versprechen: Es wird bunt!

Autorin: Almuth Kölsch