Objekträtsel: Gummi, Rost und Drahtgeflecht

Manchmal wundern wir uns schon, was man bei archäologischen Ausgrabungen so alles findet. Gut: Das meiste lässt sich nachlesen. Denn es gibt kaum eine Kategorie von archäologischen Funden, über die nicht schon etwas geschrieben worden wäre. Aber das nun? Ein verrostetes Drahtgeflecht, ein Gummilappen, und das Ganze hängt auch noch zusammen …

Das seltsame Objekt wurde bei archäologischen Ausgrabungen im mittelhessischen Alsfeld gefunden. Es scheint in einer alten Schutt- oder Müllschicht gelegen zu haben. Natürlich haben wir unsere Kolleginnen und Kollegen gefragt, um was es sich wohl handeln mag. Dabei stellte unser Metallrestaurator Friedrich Trier fest, dass der Gummilappen wohl kaum – so unser erster Verdacht – von einem Autoreifen stammt und dass das Drahtgeflecht ursprünglich mit Zinn überzogen war. Dr. Martina Lüdicke, Leiterin der Abteilung Volkskunde, wies dann auf ein ganz ähnliches Metallstück aus ihrer Sammlung hin: Ein Handtuchhalter aus Draht, wie er am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts hergestellt wurde. Er zeigt das gleiche ringförmig gewundene Drahtband und die gleichen kleiderbügelähnlichen Haken.

Handtuchhalter aus der Sammlung Volkskunde
Handtuchhalter aus der Sammlung Volkskunde

Friedrich Trier und Martina Lüdicke meinen, dass unser Fund eine Behelfsarbeit war: Etwas, das man selber herstellte und dabei alle möglichen Gegenstände weiterverarbeitete – sei es aus einer Mangelsituation heraus oder weil man sich ein fertiges Produkt nicht leisten konnte. Und hier fängt nun das Rätselraten an. Denn es stellt sich die Frage, zu welchem Zweck unser Objekt wohl verwendet worden war? Wenn Sie eine Idee haben, nutzen Sie unsere Kommentarfunktion!

Ihr Blog-Team

Autor: Andreas Sattler