Eher geht ein Webstuhl durch ein Nadelöhr… oder: Was verbirgt sich in der geheimnisvollen Kiste?

Kennen Sie das? Sie laufen durch ein Museum und denken: Wie haben die das bloß hier rein gekriegt? Da stehen Lokomotiven, präparierte Wale hängen von der Decke oder Sportwagen scheinen auf der senkrechten Wand zu fahren.

Abb 1_DSC_1508Der Webstuhl, der als Teil einer Werkstatt in der neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums aufgestellt wird, nimmt sich da vergleichsweise klein aus. Er wirkt unscheinbar, wenn er ruhend auf einer Palette zwischen allerlei kuriosen Geräten wie einer Zwirnmaschine, einem Litzenbinderahmen oder einer Webblattbindemaschine steht. Mit seinem gusseisernen Rahmen und über 800 kg Gewicht hat er es jedoch in sich.

Vor allem weil er in das zweite Obergeschoss durch eine ganze Reihe von „Nadelöhren“ transportiert werden muss. Das Abladen an der Tordurchfahrt zur Humboldtstraße verläuft noch ohne Probleme. Auch der Weg durch einen der neu überdachten Innenhöfe bis zum Lastenaufzug ist ein Kinderspiel. Doch bereits hier klemmt es: Die Palette, auf der der Webstuhl steht, ist zu breit, um durch die Aufzugstür zu passen. Er muss also mit Hilfe von zwei Hubwägen und dicken Holzbalken auf eine schmalere Palette umgesetzt werden. Und auch dann passt der Webstuhl mit seinen 118 cm Breite auf der Schmalseite nur gerade eben durch die 120 cm breite Aufzugstür.

Oben angekommen wird er auf dem Hubwagen durch die einzelnen Räume manövriert, vorbei an bereits aufgebauten Vitrinen, immer darauf bedacht, nicht an einer der Öffnungen im Boden, über die Strom- und Datenzuleitungen angedient werden, hängen zu bleiben. Schließlich muss das Türblatt einer Brandschutztür demontiert und ein mit 116 cm Breite zu schmaler Holztürrahmen ausgebaut werden, um in den Raum zu gelangen, wo der Webstuhl später aufgestellt werden wird.

An seinen endgültigen Aufstellungsort kann er aber noch nicht gebracht werden, denn das Podest fehlt noch. In einer Raumecke muss er zwischengelagert werden. Damit er keinen Schaden nimmt, während um ihn herum noch gebaut wird, bekommt er eine sicher verschlossene Einhausung aus Tischlerplatten, die hierfür vor Ort angefertigt wird.

Die Erleichterung, dass das erste Exponat gut und sicher im Museum angekommen ist, war bei allen Beteiligten groß. Für das Team, das die neue Dauerausstellung plant und einrichtet, war es jedoch nur ein erster Probelauf, und wir fiebern dem Einzug entgegen, wenn rund 5.600 Objekte von tonnenschwer bis winzig klein ihr neues Zuhause im Landesmuseum beziehen werden.

Autor: Dr. Fabian Ludovico

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