Hier können Sie einpacken…

Auf über 1000 Quadratmetern lagert der Bestand der vor- und frühgeschichtlichen Sammlung
Auf über 1000 Quadratmetern lagert der Bestand der vor- und frühgeschichtlichen Sammlung.

…etwas anderes bleibt einem auch gar nicht übrig, wenn man ein Museum wieder einrichten will! Vom frühmittelalterlichen Grabstein über bis zu 80 cm hohe zerbrechliche Keramikgefäße bis hin zur weniger als 1 cm großen mittelsteinzeitlichen Feuersteinklinge: Alles, was in der neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums präsentiert werden soll, muss heil und sicher aus dem Museumsdepot an seinen neuen Standort im Ausstellungsraum gelangen. Die Sammlung Vor- und Frühgeschichte hat dabei naturgemäß ganz andere Probleme zu bewältigen, als die Abteilung Angewandte Kunst oder die Volkskundesammlung. Es beginnt damit, dass nicht nur einige hundert, sondern rund 2600 Einzelobjekte aus dem rund 1 Million Einzelobjekte umfassenden Gesamtbestand der Sammlung aus unzähligen Kartons anhand ihrer Inventarnummern herausgesucht werden müssen.

Einmal entnommen, muss am Standort des Objektes im Depot und in der Museumsdatenbank ein Vermerk hinterlassen werden, wo das Stück zukünftig zu finden sein wird. Außerdem muss geprüft werden, ob jedes Stück eine Inventarnummer trägt und ob sie gut zu erkennen ist, denn sie gewährleistet letztlich, dass das Objekt jederzeit mit Informationen zum Fundort und den Fundumständen verbunden werden kann. Das kann durchaus problematisch sein! Keramikscherben, Tierknochen, Steingeräte, restaurierte Gefäße, Glasperlen, fragile Schmuckstücke aus Bronze und Eisen, Werkzeuge aus Geweih, verkohlte Getreidekörner – nicht alle Gegenstände sind leicht zu beschriften. Üblicherweise wird die Nummer mit Tusche und Schreibfeder auf einen kleinen lackierten Bereich des Objektes geschrieben und das Ganze dann nach einer Trockenphase erneut überlackiert. An besonders feingliedrigen Gegenständen lässt sich jedoch so manches Mal keine Stelle finden, die genug Fläche bietet. Hier hilft nur das Anhängen eines Schildchens. Bei anderen Stücken ist die Oberflächenbeschaffenheit für eine Beschriftung mit Schreibfeder ungeeignet. Dann muss die Nummer in sehr kleiner Schrift ausgedruckt, ausgeschnitten und aufgeklebt werden.

Und dann gibt es noch Objekte, auf denen auch das nicht funktioniert, beispielsweise bei keltischen Goldmünzen. Um sie später wieder zweifelsfrei zuordnen zu können, muss jede einzelne Münze von beiden Seiten fotografiert werden. Hier werden nur die Fotos mit Inventarnummern versehen, da sich die glatte Goldoberfläche nicht mit Lack und Tusche beschriften lässt. Übrigens hilft es ungemein, wenn man sich schon bei der Beschriftung darüber klar wird, welche Seite des Objektes schließlich für den Besucher in der Vitrine zu sehen sein soll… Nicht nur einmal musste nämlich das gut lesbare Nümmerchen auf dem Objekt selbst erst einmal „umziehen“. Der Besucher soll ja am Ende das Ausstellungsstück und nicht die Inventarnummer bewundern!

Goldmünzen kann man nicht beschriften. Hier werden mit Inventarnummern versehene Fotos beigelegt.
Goldmünzen kann man nicht beschriften. Hier werden mit Inventarnummern versehene Fotos beigelegt.

Hat man alle Gegenstände zusammen, die in der neuen Ausstellung gezeigt werden sollen, geht es ans Verpacken. Auch hier ist die Bandbreite groß: Bei vielen Objekten reicht die Verpackung in einem Plastiktütchen und einer geeigneten Pappschachtel aus. Dazu gehören vor allem Steingeräte wie Faustkeile, Steinbeile oder Pfeilspitzen. Bei anderen Objekten ist mehr Vorsicht nötig. So sind aus Einzelscherben wieder zusammengesetzte Keramikgefäße sehr bruchanfällig. Entsprechend aufwendiger ist ihre Verpackung. Sie werden einzeln in mehrere Lagen Luftpolsterfolie gehüllt und reisen – je nach Größe manchmal auch zu mehreren – in ebenfalls mit Luftpolsterfolie ausgekleideten Umzugskartons. Hier wäre schon ein zu hartes Absetzen des Kartons fatal! Besonders große Gefäße besitzen eigene maßgefertigte Holzkisten.

Zu guter Letzt gibt es natürlich Sonderfälle, die auch eine Sonderbehandlung bei der Verpackung benötigen. Wie vermeidet man Brüche an den Drähten von bronzezeitlichen Armspiralen? Wie lassen sich die langen eisenzeitlichen Schwertbarren sicher verpacken? Wie transportiert man eine fragile keltische Prunktrense, ohne dass durch Reibung Schäden an den einzelnen Teilen entstehen? In solchen Fällen sind Erfindungsreichtum und Können der Restauratoren gefragt, und die Verpackung benötigt manchmal sogar eine „Gebrauchsanleitung“ zur korrekten „Enthüllung“.

Alles in allem liegen jedoch die Probleme bei der Wiedereinrichtung der Ausstellung zur Vor- und Frühgeschichte eher im logistischen Bereich. Durch die hohe Verwechslungsgefahr mancher Objekte und die große Zahl von kleinen und kleinsten Ausstellungsstücken ist große Sorgfalt bei der Zusammenstellung der Verpackungseinheiten notwendig. Unkonzentriertes Arbeiten rächt sich hier später durch aufwendige Suchaktionen nach falsch beschrifteten Kartons oder falsch eingepackten Objekten – ein Vergnügen, auf das man beim Einbringen der Objekte in die Vitrinen sicher gut verzichten kann!

Listen, Listen, Listen.
Listen, Listen, Listen.

Autorin: Dr. Irina Görner