Groß und haarig: Riesen der Eiszeit

In Gönnersdorf im Rheinland ritzte ein eiszeitlicher Künstler vor etwa 15 500 Jahren diese Zeichnung eines Mammuts in eine Schieferplatte.
In Gönnersdorf im Rheinland ritzte ein eiszeitlicher Künstler vor etwa 15 500 Jahren diese Zeichnung eines Mammuts in eine Schieferplatte.

Es ist Winter! Genau die richtige Jahreszeit, um ein wenig über das Eiszeittier schlechthin nachzudenken: das Wollhaarmammut. Noch vor 14 000 Jahren zog dieses beeindruckende Tier auch durch die eiszeitliche Landschaft Nordhessens. Und obwohl das Mammut mit dem Ende der letzten Eiszeit ausgestorben ist, haben wir alle eine recht genaue Vorstellung von ihm: elefantenartig und etwa ebenso groß, mit dichtem, zotteligem Fell und gewaltigen, gebogenen Stoßzähnen. Die Erforschung fossiler Mammutknochen und vor allem einiger im ewigen Eis Sibiriens tiefgefrorener Mammutkadaver machen diese detaillierten Angaben zum Aussehen der beeindruckenden Tiere möglich. Außerdem gibt es steinzeitliche Mammutdarstellungen auf Höhlenwänden.

Den Lebensraum der Mammuts stellen wir uns meist als weite schneebedeckte Landschaft vor und denken dann auch gleich an in Felle gehüllte Urmenschen, die diesen Riesen der Eiszeit todesmutig mit einfachen Holzspeeren nachstellen und sie so vielleicht gar ausrotten. Von einigen Details dieses Klischees, das nicht zuletzt durch diverse Filme entstand, müssen wir uns jedoch bei näherer Betrachtung verabschieden.

Im Dauerfrost Sibiriens blieb der Körper dieses Mammutbabys bis in unsere Tage erhalten. Bildrechte: US National Oceanic & Atmospheric Administration (NOAA) http://www.ncdc.noaa.gov/paleo/parcs/atlas/beringia/images/dima.jpg By A.V. Lozhkin [Public domain].
Im Dauerfrost Sibiriens blieb der Körper dieses Mammutbabys bis in unsere Tage erhalten.
Bildrechte: US National Oceanic & Atmospheric Administration (NOAA).
Fangen wir mit der Umwelt an: Mammuts lebten während der letzten Eiszeit, die vor etwa 115 000 Jahren begann und fast 100 000 Jahre dauerte. Auf ihrem Höhepunkt vor rund 18 000 Jahren waren Nordeuropa und Teile des norddeutschen Tieflandes von einer bis zu 3 km dicken Eisschicht überzogen. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag weltweit etwa 5-6° niedriger als heute. Anhand solcher Angaben stellen wir uns die Eiszeit häufig als eine ausschließlich eiskalte und schneereiche Periode vor, und wir haben Bilder der heutigen schneebedeckten, arktischen Tundralandschaften vor Augen. Allerdings gab es während der letzten Eiszeit immer wieder auch wärmere Perioden, die über Jahrtausende anhielten; außerdem waren selbst die Winter der Kaltphasen zwar sehr kalt, aber extrem trocken und eher schneearm. Der Boden in den nicht von Gletschern bedeckten Gebieten blieb zumeist dauerhaft gefroren. Selbst in den kurzen, mäßig warmen und trockenen Sommern taute er nur oberflächlich auf. Auf dem ausgesprochen nährstoffreichen Untergrund hatte sich eine artenreiche Steppenvegetation mit einzelnen Bäumen und Sträuchern gebildet. Nur in einer solchen schneefreien Steppe konnten die mit ihrer dichten Behaarung gut an die Kälte angepassten Mammuts ganzjährig genügend Futter finden: Pro Tag benötigte ein Mammut zum Überleben nämlich die erstaunliche Menge von 150 bis 200 kg Grünfutter, bestehend aus Gräsern, Kräutern, Moosen und Zweigen. In den schneebedeckten Weiten der heutigen kargen Tundralandschaften wären die mächtigen Tiere schlicht verhungert!

Lange Zeit waren die Neandertaler die einzigen menschlichen Zeitgenossen der Mammuts. Vor 40 000 Jahren wanderte dann der moderne Mensch aus Afrika kommend in Europa ein. Beide Menschenarten kommen also als Mammutjäger in Frage. Die Hauptbeute der Eiszeitjäger waren die Mammuts jedoch sicher nicht. Europa war damals extrem dünn besiedelt. Hier lebten vermutlich maximal 250 000 Menschen. Übertragen auf Nordhessen hieße das in etwa, dass es in einem Umkreis von 18 km rund um Kassel – einer Fläche von ungefähr 1000 Quadratkilometern – nur etwa 15-25 Menschen und 40-60 Mammuts gab. Um ein Mammut zu jagen, musste man also erst einmal eines finden…

Auch in Hessen wurden Mammutstoßzähne gefunden. Hier ein Stück aus Bad Sooden-Allendorf im Werra-Meißner-Kreis.
Auch in Hessen wurden Mammutstoßzähne gefunden. Hier ein Stück aus Bad Sooden-Allendorf im Werra-Meißner-Kreis.

Auf jeden Fall war die Mammutjagd sehr gefährlich! Mammuts lebten in Herden, in denen die Weibchen ihre Kälber schützten. Nur die mächtigen Bullen zogen allein umher, und die wussten sich mit ihren bis zu 4 m langen Stoßzähnen sicher gegen die höchstens mit Holzlanzen bewaffneten Angreifer zu wehren. Am ehesten konnte eine Gruppe aus mehreren Jägern ein kleines, vielleicht verletztes Tier zur Strecke bringen. Aber auch dann stellt sich die Frage, was man mit einer Beute anfängt, die ein Lebendgewicht von 4-5 Tonnen hat. Zwar ernährten sich die Eiszeitjäger hauptsächlich von Fleisch, jedoch konnte eine kleine Eiszeitjägergruppe aus 5-7 Personen innerhalb von zwei Wochen maximal 400 Kilogramm Fleisch aufessen… Bedenken wegen einseitiger Ernährung durfte man da nicht haben. Ein Teil der Beute wäre also wohl unweigerlich verdorben. Allerdings wurden auf Neandertalerlagerplätzen wie etwa im nordhessischen Buhlen  Mammutknochen gefunden, die darauf schließen lassen, dass Mammutfleisch auf dem Speiseplan stand. Es lässt sich an den Knochenresten jedoch nicht feststellen, ob sie nicht vielleicht von natürlich zu Tode gekommenen Tieren stammen.

Auch eine Ausrottung der Mammuts durch die Eiszeitjäger ist unwahrscheinlich. Weit eher ist anzunehmen, dass die Mammuts nicht mit den veränderten Klimabedingungen gegen Ende der Eiszeit zurechtkamen und deshalb ausgestorben sind. Es wurde nämlich nicht nur wärmer, sondern es schneite nun auch häufiger. Für die Mammuts war das gar nicht gut: Sie waren zwar gegen eisige Kälte durch eine dicke Fettschicht und ihr dichtes Fell geschützt, besaßen aber keine Talgdrüsen. Ihr Fell war daher nicht wasserabweisend. Wenn es dauerhaft schneite oder gar regnete, wurden sie bis auf die Haut nass. Außerdem veränderte sich die Steppenvegetation: Moose und Sumpfpflanzen traten an die Stelle der nahrhaften Gräser und Kräuter. Zudem erschwerte nun eine Schneedecke die Nahrungssuche.

Sollte es also tatsächlich irgendwann gelingen, ein Mammut zu klonen, wovon ja immer mal die Rede ist, bleibt fraglich, in welchem Lebensraum man es ansiedeln könnte. Die schneereichen Tundren der Rentierherden erscheinen jedenfalls nicht geeignet. Auch die Tierärzte müsste man dringend fortbilden: Wie behandelt man ein Mammut mit Schnupfen?

Autorin: Dr. Irina Görner

2 Antworten auf „Groß und haarig: Riesen der Eiszeit“

  1. Ich habe eine Anfrage: Ich besitze aus dem Nachlass meines Vaters eine größere Sammlung von Mammutknochen und -zähnen. Wie kann man diese präparieren?
    Ich würde mich über entsprechende Tips freuen,
    Ihr Rainer Novotny

    1. Lieber Herr Novotny,

      vielen Dank für Ihre Anfrage. Eigene Präparationsversuche lohnen sich nicht, da dadurch viel kaputt gemacht werden kann. Wir bitten Sie daher, sich an das zuständige Landesamt für Denkmalpflege Ihrer Region oder an ein Naturkundemuseum zu wenden. Dort hilft man Ihnen gerne weiter, und wer weiß: vielleicht hält Ihre Sammlung ja spannende neue Erkenntnisse bereit!

      Herzliche Grüße
      Ihr Blog-Team

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