Und sie schwebt doch: Von einer fliegenden Drillmaschine

Beim Betreten des überdachten Innenhofes auf der Ostseite des Gebäudes geht der Blick sofort nach oben: Sieben landwirtschaftliche Großgeräte hängen an Stahlseilen etwa vier Meter über dem Boden und präsentieren sich uns aus einer ganz neuen Perspektive.

Um im Erdgeschoss des Hessischen Landesmuseums einen durchgehenden Rundgang zu ermöglichen und zusätzlich rund 300 m² Ausstellungsflächen zu gewinnen, wurden die beiden Innenhöfe in 9 m Höhe mit einer Stahl-Glas-Konstruktion überdacht. Sie sind in den Ausstellungsbereich der Sammlung Vor- und Frühgeschichte eingebunden. Die Präsentationen in beiden Höfen durchbrechen jedoch die strenge Chronologie und zeigen die Entwicklung der Landwirtschaft und der Nutzung von Bodenschätzen von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Damit schaffen sie auch eine Verbindung zu den oberen beiden Stockwerken. Dort werden der Zeitabschnitt vom Mittelalter bis etwa 1800 durch die Sammlung Angewandte Kunst und die daran anschließende Zeit bis zur Gegenwart mit Objekten aus der Volkskundesammlung  dargestellt.

Die Entwicklungslinien der Landwirtschaft bestimmen seit dem Übergang zur sesshaften Lebensweise vor mehr als 7000 Jahren die Geschichte Hessens in hohem Maße mit. Leistungsfähigere Feldbearbeitungsgeräte, neue Anbaufrüchte, zunehmende Mechanisierung oder die Entdeckung des Kunstdüngers: Den Auswirkungen dieser zahlreichen Neuerungen widmen sich mehrere Ausstellungsinseln. Im großzügigen Luftraum darüber schwebt eine Auswahl der jeweils zugehörigen landwirtschaftlichen Geräte.

Damit diese teilweise nicht ganz leichten Objekte – allein die Drillmaschine bringt das stolze Gewicht von 350 kg auf die Waage – unter Beachtung aller notwendigen Sicherheitsmaßnahmen an ihren Bestimmungsort gelangen konnten, war einiges an Vorüberlegungen nötig: Wo kann man am jeweiligen Objekt Haltepunkte anbringen, wie dick müssen die Stahlseile sein und in welcher Höhe soll es überhaupt hängen? Nach einer Simulation mit Holznachbauten sind alle Geräte mit Flaschenzügen und Hubsteiger mittlerweile in luftiger Höhe sicher befestigt und geben einen Ausblick auf die neue Dauerausstellung.

Autor: Dr. Fabian Ludovico