Rekonstruktion des Steinkammergrabes von Züschen im Hessischen Landesmuseum

Die Grabrekonstruktion im Bau
Die Grabrekonstruktion im Bau.

Im Rundgang durch die neue Ausstellung zur Vor- und Frühgeschichte im Hessischen Landesmuseum in Kassel entsteht das Steinkammergrab von Züschen neu. Genauer gesagt ein Teil davon, denn für eine vollständige Rekonstruktion ist das Original mit rund 20 m Länge viel zu groß. Abgüsse von 5 Wandsteinen – bis zu 3 m lang und etwa 1,5 m hoch – zeigen das Endstück der Kammer im Innern einer großen Vitrine. Sie vermitteln einen Eindruck vom Aussehen des Grabes zur Zeit seiner Nutzung in der mittleren Jungsteinzeit vor etwa 5500 bis 4800 Jahren.

Das Original der Kammer befindet sich noch heute bei Züschen im Schwalm-Eder-Kreis. Insgesamt 25 in Reihe gestellte metergroße Buntsandsteinplatten – jede rund 1,5 Tonnen schwer – bilden ein Rechteck von ca. 20 m Länge und 2,50 m innerer Breite. Ursprünglich lag der Grabraum, mit großen Steinplatten abgedeckt, unter einem Hügel aus Erde und kleineren Steinen. Zugang gewährte eine große durchlochte Steinplatte, die an einem der beiden Kammerenden eingebaut war. Über Jahrhunderte hinweg waren solche Grabanlagen in Gebrauch. Sie dienten als Kollektivgräber, also Grabräume, die man immer wieder aufsuchte um neue Tote darin zu bestatten.

Grab von Züschen bald nach seiner Entdeckung im Jahr 1894.
Grab von Züschen bald nach seiner Entdeckung im Jahr 1894.

Die Rekonstruktion im Hessischen Landesmuseum will die alte Bestattungssitte in Ansätzen erfahrbar machen, wenngleich wir heute natürlich nicht mehr wissen, wie das Grab von Züschen auf die Menschen der Jungsteinzeit wirkte. Die Größe der Steinblöcke lässt aber erahnen, welch großer Aufwand mit ihrem Transport und ihrer Aufrichtung verbunden war; zumal nur einfachste Hilfsmittel wie Seile, Schlitten, Holzrollen und Rampen zur Verfügung standen.

Ein Blick ins Innere der Kammer vermittelt einen Eindruck vom Raum, in dem man in der Jungsteinzeit bestattete. Eine Besonderheit des Züschener Grabes bilden dabei eingepickte Zeichen auf den Wandsteinen und einer einzeln im Grab gefundenen Platte. Meist handelt es sich um gabelartige Motive, die als Darstellungen von Rindern gedeutet werden. Einige davon zeigen Rindergespanne mit zweirädrigen Wagen. Sie gehören zu den ältesten Hinweisen auf die Nutzung von Rad und Wagen im mittel- und osteuropäischen Raum.

Die Rekonstruktion des Züschener Grabes im Hessischen Landesmuseum ist nicht neu, wird aber als bewährtes Element aus der alten Dauerausstellung übernommen. Sein Aufbau gestaltet sich natürlich viel einfacher als der des Originals vor einigen tausend Jahren. Anstelle von Holzrollen, Schlitten und Seilen stehen Hubwagen zur Verfügung. Das Gewicht der „Steine“ – sie bestehen aus Glasfasermatten und Kunstharz – ist heute kaum mehr der Rede wert. Einen kleinen Einblick in die laufenden Arbeiten geben die nachstehenden Bilder.

Autor: Andreas Sattler