Sabine Buchholz: Objekte zum Sprechen bringen

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Zur neuen Ausstellung im Hessischen Landesmuseum wird es kreative pädagogische Angebote für Schüler aber auch für Erwachsene geben. Sabine Buchholz, Leiterin der Abteilung Vermittlung und Bildung der MHK, erarbeitet Formate, in denen die Besucher aktiv einbezogen werden und die Geschichte zum Leben erweckt wird.

Liebe Frau Buchholz, Sie leiten die Abteilung Vermittlung und Bildung – bekannt auch unter Museumspädagogik – der Museumslandschaft Hessen Kassel und sind in dieser Position auch für die Kulturvermittlung zuständig. Welche Aufgaben bringt die Neueröffnung des Hessischen Landesmuseums für Sie mit sich?

Für das Landesmuseum konzipieren wir momentan erste Formate. Dafür haben wir uns gemeinsam mit den Sammlungsleiterinnen und Geschichtslehrern und -lehrerinnen zusammengesetzt und gefragt, was direkte Anknüpfungspunkte an den Lehrplan sein könnten. Wie kann man das Wissen lebendig und anschaulich vermitteln? Wie kann man Objekte zum Sprechen bringen? Dafür wollen wir mit externer Unterstützung abwechslungsreiche Methoden und ein Vermittlungskonzept erarbeiten. Wir müssen schauen, was inhaltlich in den Sammlungen erarbeitet wurde, und gleichzeitig muss ich mich beispielsweise aus der Perspektive der Schüler/innen annähern, für die ich das Programm erarbeite.
Neben der inhaltlichen Seite werden im Landesmuseum neue Werkräume für Schulklassen, aber auch für andere Veranstaltungen, eingerichtet. Generell wollen wir die Neueröffnung innovativ begleiten, die Besucher anlocken und ansprechen. Dazu gehört auch, neues Personal für Führungen und Kinder- und Jugendlichenangebote zu finden.

Wie genau sieht das neue museumspädagogische Konzept für das Museum aus und was ist dessen Zielrichtung?

Das neue Schlagwort, das über die bloße Besucherorientierung hinausgeht, ist Partizipation. Nach diesem aktuellen Standard wird der Besucher als Mensch mit Vorwissen, Interessen und Bedürfnissen aktiv einbezogen. Er muss mitgestalten dürfen. Für das Hessische Landesmuseum bedeutet das: Es sollen zukünftig besonders Formate entstehen, die individuelles Selbstdenken, praktisches Erproben, Kreativität und Eigeninitiative fördern. Der Besucher soll sich beispielsweise fragen: Was hat eine bestimmte Zeit, ein Objekt, eine historische Erzählung mit mir zu tun? Es geht um die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt und im besten Fall, seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Ideen, die wir momentan verfolgen, sind beispielsweise das Thema Essen in der Menschheitsgeschichte zu beleuchten, und dabei etwa ein Picknick in der Steinzeit und eine Tischdekoration am Hofe zu gestalten. Aber auch Themen wie Vertreibung und Migrationsgeschichte, die man mit der Gegenwart in Beziehung setzen kann, sind interessante Ansätze.

Was ist bei der museumspädagogischen Arbeit für das Hessische Landesmuseum die besondere Herausforderung?

Die Herausforderung ist, auch museumsfremde Personen anzusprechen, indem wir sie begeistern und faszinieren. Wir werden sehr unterschiedliche Besuchergruppen haben: Das sind Schüler, Erwachsene, Familien, Senioren, aber natürlich auch Menschen mit Behinderung.
Eine besondere Herausforderung ist auch, dass wir momentan erst einmal nur in der Theorie planen können, da die neu konzipierte Ausstellung noch nicht zu sehen ist und auch die Sammlung Volkskunde im früheren Landesmuseum noch gar nicht gezeigt wurde.

Wenn Sie das Museum einem interessierten Besucher mit drei Eigenschaften beschreiben müssten, welche wären das?

Ich würde gerne für jede Sammlung ein paar Eigenschaften nennen: Die Vor- und Frühgeschichte empfinde ich als anschaulich und vielschichtig – quasi als Metapher dafür, wie sich ein Archäologe durch Bodenschichten arbeitet. Die Sammlung Angewandte Kunst spiegelt für mich vor allem den Adel wider; daher würde ich hier die Eigenschaften ästhetisch, elegant und formenreich nennen. Die Volkskunde mit der jüngeren Geschichte  bis zur Gegenwart repräsentiert Zeitzeugnisse aus allen Bevölkerungsschichten, vom Soldaten bis zum Handwerker. Da steckt viel Lebensnähe drin, kann aber auch geheimnisvoll und mehrdeutig sein.

Warum sollten Besucher ab Dezember ins Hessische Landesmuseum in Kassel kommen?

Ich finde es toll, dass hier ein lebendiger Abriss der gesamten Menschheitsgeschichte gezeigt wird. So  kann man sehen, dass Menschen immer innovativ und erfindungsreich waren und dass es ihnen trotz klimatischer und politischer Krisen immer wieder gelungen ist, sich anzupassen. Es gibt darüber hinaus faszinierende Objekte zu sehen. Nur einige Beispiele sind der Älteste Hesse, die Seladonschale oder die Schwälmer Stube.

Vielen Dank für das Interview, Frau Buchholz!

Das Gespräch führte Elisa Schubert.

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