Tag des Deutschen Bieres

Morgen, am 23. April 2016, ist Tag des Deutschen Bieres. Auf Betreiben des Deutschen Brauer-Bundes eingeführt, wird er seit dem Jahr 1994 regelmäßig begangen. Gefeiert wird der Erlass des deutschen Reinheitsgebotes im Jahr 1516. Grund für uns, dass wir uns einmal näher mit den Objekten rund um das Thema „Bier“ aus der Sammlung Volkskunde der MHK beschäftigen – abseits von Humpen, Fass und Zapfhahn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor 500 Jahren erließ der bayerische Herzog Wilhelm IV. das deutsche Reinheitsgebot. Darin wurde festgelegt, dass ausschließlich Hopfen, Gerste und Wasser in ein deutsches Bier gehören – eine der ersten Lebensmittelverordnungen unserer Zeit. Hefe als Bestandteil des Bieres kam erst später hinzu. Hessen gilt zwar trotz seiner steigenden Zahl an Braustätten – 2014 waren es laut Statistischem Bundesamt 72 – nicht gerade als das Bundesland der Brauereien. Trotzdem lassen sich auch in unserer Sammlung einige Objekte zum flüssigen Kulturgut finden.

Neben Bierkrügen und Biergläsern, Fässern und Reklametafeln für Bier verfügt die Abteilung Volkskunde auch über zwei große Sammlungen an Bieretiketten und Bierdeckeln. Beide gelangten als Schenkungen von langjährigen Sammlern ins Haus. Die über 300 Bieretiketten weisen eine erstaunliche Vielfalt auf. Sie stammen überwiegend aus Deutschland, aber auch aus Österreich und Tschechien.

Etiketten aus Papier zur Kennzeichnung von verschlossenen Warenbehältern gibt es schon seit über 100 Jahren (Christa Pieske: Das ABC des Luxuspapiers. Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860–1930. Berlin: Reimer 1984, S. 121). Bierflaschen sind meist mit drei Etiketten beklebt, ein größeres auf der Vorderseite, ein kleineres auf der Rückseite und eines auf dem Flaschenhals. Die Etiketten variieren in der Form, sind mal rund, mal eckig, und enthalten Angaben zum Hersteller, den Markennamen samt Logo, das Mindesthaltbarkeitsdatum, die Zutatenliste und manchmal auch Werbung für andere Produkte desselben Herstellers oder Gewinnspiele. Oft steht auf dem Etikett, dass das Bier „gebraut/hergestellt nach dem deutschen Reinheitsgebot“ sei – bis heute ein Qualitätsversprechen.

Die Etiketten der Sammlung Volkskunde sind sorgfältig sortiert in einem Ordner aufbewahrt. Mit einer Notiz zum Herkunftsland und zur Datierung versehen, sind sie samt Inventarnummer leicht im Archiv der Sammlung auffindbar. Dabei haben es auch einige Etiketten regionaler Brauereien in das Sammelalbum geschafft. So zum Beispiel eine Etikettengarnitur der Eschweger Klosterbrauerei (Jacobinus Bierspezialität Classic, 2007) und eine Garnitur des Knallhütter Jubiläums-Bock aus dem Jahr 2004 (Hütt-Brauerei Baunatal).

Ähnlich verhält es sich mit den über 1000 Bierdeckeln, die es in der Sammlung Volkskunde gibt. Sie variieren in Farbe, Form und Gestaltung. Die meisten sind, wie man sie auch noch heute kennt, rund oder quadratisch und haben durchschnittlich einen Durchmesser von 10 cm. Allerdings gibt es auch Ausnahmen wie beispielsweise der besonders große Deckel von der Hütt-Brauerei mit der stolzen Größe von 24 x 21 cm (Abb. 4). Hier wird der Platz geschickt dafür genutzt, auf die lange Tradition der Brauerei hinzuweisen. Er wurde vermutlich jedoch nur für Werbezwecke verwendet.

Bierdeckel gibt es bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich wurden sie auf das Bierglas bzw. den Krug gelegt, damit beim Biergenuss im Freien kein Ungeziefer ins Glas fiel. Dies galt zumindest für die Menschen, die nicht in Besitz eines eigenen Bierkrugs mit Deckel waren. Unsere Sammlung enthält größtenteils Deckel aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Daneben haben Bierdeckel aber auch noch andere Funktionen. Zum einen werden sie häufig vom Gastronomiepersonal dafür benutzt, den Preis der bereits getrunkenen Getränke zu notieren. So lässt sich der Gesamtpreis einfach vom Deckel ablesen. Die Firmen nutzen sie aber auch, um darauf Gewinnspiele oder kleine Rätsel zu platzieren. Die Hütt-Brauerei forderte zum Beispiel um 1990 ihre Kunden zum Reimen auf. Der Reim konnte direkt auf die Rückseite des Deckels geschrieben werden, einen Preis gab es natürlich auch zu gewinnen.

Die hessische Brauerei Licher aus Lich im Landkreis Gießen nutzte in den 1970/80er-Jahren die Rückseite ihrer Bierdeckel für eine sogenannte „Licher Bierologie“. Auf jedem Deckel befindet sich das Bild einer Pflanze samt ihrer Blüte bzw. Frucht. Hiermit wollte Licher wohl seinen Slogan „Aus dem Herzen der Natur“ symbolisch unterstreichen und seine Kunden und Kundinnen zum Sammeln anregen.

Sogenannte „Licher Bierologie“, 1970er-Jahre.
Sogenannte „Licher Bierologie“, 1970er-Jahre.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein auf den ersten Blick nicht direkt mit dem flüssigen Kulturgut in Verbindung zu bringendes Exponat ist sicher der Wirtshaustisch aus der Knallhütte (südlich von Kassel), in der seit 1745 Bier gebraut wird. Der Tisch war an einer Seite an der Wand befestigt. So konnte man ihn über Nacht hochklappen, wenn der Boden des Wirtshauses als Schlafstätte für reisende Kauf- und Fuhrleute herhalten musste. Als Schlafunterlage diente Stroh.

Wirtshaustisch aus der Knallhütte, Baunatal, Kreis Kassel, um 1800.
Wirtshaustisch aus der Knallhütte, Baunatal, Kreis Kassel, um 1800.

 

 

 

 

 

 

 

 

In der neuen Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum werden Ihnen sowohl Bierhumpen als auch ein Bierfass im Raum zum Thema „Freizeit und Vergnügen“ begegnen. Bis zur Eröffnung wünschen wir Ihnen morgen einen schönen Tag des Bieres, natürlich auch alkoholfrei zu genießen.

Autorin: Almuth Kölsch

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