Von der Idee zum Meisterwerk – Stiftungen ermöglichen bedeutenden Ankauf für das Hessische Landesmuseum

»Paris« …
... und »Bacchantin« des Bildhauers Pierre Étienne Monnot (1657–1733).
… und »Bacchantin«.

 

 

 

 

Vergangene Woche war es soweit, die Kunstwelt blickte gespannt nach Kassel, als die beiden bislang unbekannten Terrakotta-Statuetten »Paris« und »Bacchantin« von Pierre Étienne Monnot (1657–1733) der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Präsentation der angekauften Statuetten im Florasaal, Schloss Wilhelmshöhe.
Präsentation der angekauften Statuetten am 20.April 2016 im Florasaal, Schloss Wilhelmshöhe.

Durch die großzügige Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung und der Hessischen Kulturstiftung konnte das Land Hessen die beiden bedeutenden Terrakotten für die Sammlung Angewandte Kunst der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) erwerben. Die rund 60 cm hohen Skulpturen wurden von dem im Rom lebenden französischen Künstler Pierre Étienne Monnot als Studienmodelle für zwei Marmorstatuen angefertigt, die sich noch heute im Kasseler Marmorbad befinden.

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Die Terrakottamodelle…
Die Terrakottamodelle im Vergleich zu den noch heute im Marmorbad befindlichen Marmorskulpturen.
… im Vergleich …

 

 

 

 

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… zu den noch heute …

 

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… im Marmorbad befindlichen Skulpturen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die Entstehung der Marmorstatuen sind die Modelle von großer Bedeutung. So sind sie die „erste Manifestation von Idee in Materie“, wie Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung, hervorhob. Sie dokumentieren den künstlerischen Arbeitsprozess Monnots. So erprobte dieser anhand der Terrakotten etwa künstlerische Wirkung, Proportion und Statik seiner Bildfindungen.

Dass sich Vorarbeiten zu noch existierenden Werken in dieser Qualität erhalten haben, ist eine absolute Seltenheit und nach 300 Jahren eine Sensation. Entsprechend elektrisierend war die Nachricht vom Auftauchen der beiden Skulpturen auf dem Kunstmarkt im Jahr 2013. Bis zu diesem Zeitpunkt befanden sich die beiden Terrakotten unbekannterweise im Besitz einer alten Adelsfamilie in Rom, deren Vorfahren sie wahrscheinlich direkt aus dem Nachlass des Künstlers erworben hatten.

Im Vordergrund die beiden Terrakotten zusammen mit Dr. Antje Scherner, Leiterin der Sammlung Angewandte Kunst, Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung, Dr. Stephanie Tasch, Vertreterin der Kulturstiftung der Länder, Prof. Dr. Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel und Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.
Im Vordergrund die beiden Terrakotta-Figuren zusammen mit (von links) Dr. Antje Scherner, Leiterin der Sammlung Angewandte Kunst, Eva Claudia Scholtz, Geschäftsführerin der Hessischen Kulturstiftung, Dr. Stephanie Tasch, Vertreterin der Kulturstiftung der Länder, Prof. Dr. Bernd Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel und Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Die Statuetten werden ab Ende dieses Jahres in der neuen Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum zu sehen sein. Mit dem Ankauf ist die MHK in die außerordentliche Lage versetzt worden, künftig den Schaffensprozess eines Künstlers am Beispiel eines Projekts zu dokumentieren und dessen Zeugnisse in einer Sammlung zu vereinen.

 

Autorin: Stefanie Cossalter-Dallmann