Von der Rolle: Moritzgemälde im Hessischen Landesmuseum zur Restaurierung eingetroffen

Es ist ein Familienbild von besonderer Dimension: 2,35 mal 4,22 Meter misst das Ölgemälde „Landgraf Moritz von Hessen-Kassel mit seiner Familie“ von August Erich (1618-1628). Im Hessischen Landesmuseum, das im Dezember in Kassel wiedereröffnet, wird es eine besondere Attraktion auf Ebene zwei sein, die sich mit der nordhessischen Geschichte vom Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert befasst. Bis es soweit ist und die Besucher Landgraf Moritz und seiner Großfamilie Auge in Auge gegenübertreten können, sind wichtige Restaurierungsarbeiten nötig. Diese geschehen direkt vor Ort im neuen Ausstellungsraum auf einem großflächigen Tisch. Nun wurde das Gemälde mit einem Lastwagen zum Museum transportiert und von einer großen Rolle mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern abgerolllt. In den kommenden fünf Monaten wird es fachgerecht vom Atelier Kluger und Böhme aus Baunatal restauriert.

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Einige Jahre war das Gemälde aus dem 17. Jahrhundert auf der großen Holzrolle im Depot aufbewahrt worden. Im Jahr 2006 war das Moritzgemälde letztmalig im Hessischen Landesmuseum zu sehen gewesen. Bevor die Umbau- und Modernisierungsarbeiten im Haus begannen, wurde das große Leinwandgemälde bereits mehrere Monate bearbeitet und für den Abtransport vorbereitet. Zurück an Ort und Stelle werden diese Arbeiten nun fortgesetzt.

In den vergangenen Jahrhunderten hat das Bild im wahrsten Sinne des Wortes viel erlebt. Unsachgemäße Lagerung, falsches Aufrollen und Durchhängen in früheren Keilrahmen haben eingeknickte Bereiche und Ausbrüche in der gealterten Malschicht hinterlassen. Verschiedene Stellen des Gemäldes sind in der Vergangenheit großflächig übermalt worden, sodass nun Farbabtragungen nötig sind, um die ursprüngliche Malerei wieder sichtbar zu machen.

Der erste Schritt für Restauratorin Claudia Kluger ist jetzt, das korrekte Bildmaß zu ermitteln. Dann kann ein Keilrahmen passgenau angefertigt werden, auf den das Gemälde daraufhin aufgespannt werden soll. Um das Bild wieder in seinen Originalmaßen zu zeigen, werden die in der Vergangenheit unsachgemäß auf der Rückseite des alten Keilrahmens umgeklappten Randbereiche wieder sichtbar gemacht. Außerdem wird rundum an den Rändern eine sogenannte Randanstückung angebracht. Diese Hinterklebung der ausgefransten originalen Spannränder stützt das alte Material mit neuen, stabilen Leinwandstreifen. So kann die in den Jahren mürbe gewordene Leinwand wieder gefahrlos aufgespannt werden.

Nach dem Aufspannen auf seinen neuen Keilrahmen werden die Arbeiten am Ölgemälde in der Vertikalen fortgesetzt. Im Herbst müssen die vielen Fehlstellen in der Malerei durch Kittungen und Retuschen angeglichen und ein Abschlussfirnis, also ein klarer Schutzaufstrich, aufgetragen werden. Dann erhält das Bild auch seinen neu angefertigten Zierrahmen.

Die aufwendige monatelange Restaurierung des Moritzgemäldes wird durch eine großzügige Spende von B. Braun Melsungen ermöglicht.

Autorin: Elisa Schubert, in Zusammenarbeit mit Anne Harmssen

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