Daniela Focke: „Das Landesmuseum ist eine Schatztruhe“ !

Dass diese „Schatztruhe“ wieder vollständig neu bestückt wird, darum kümmert sich Daniela Focke und ihr Team mit großem Engagement und Einsatz. Die Grazerin ist Projektkoordinatorin des Umzugs der Objekte aus den Depots in die neu gestalteten Räume des Hessischen Landesmuseums – vom großformatigen Gemälde bis zur klitzekleinen Münze. Wobei man besonders behutsam sein muss und was ihr besonders Spaß macht, erzählte Daniela Focke uns in einem Interview.

Daniela Focke

Liebe Frau Focke, Sie sind erst heute in Kassel eingetroffen. Woher kommen Sie gerade?

Ich komme gerade aus München, wo wir einen Teil der Exponate des Deutschen Museums ausgeräumt und beispielsweise sogar Flugzeuge transportiert haben. Nun freue ich mich, wieder in Kassel zu sein. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schön das Gebäude nach der Renovierung geworden ist. Das ist schon eine gigantische Veränderung!

Ganz allgemein formuliert koordinieren Sie den Rückumzug der Exponate des Hessischen Landesmuseums. Können Sie uns einen genaueren Einblick in Ihr Aufgabenspektrum geben?

Bei einem solchen Projekt ist zunächst einmal die Planung des Budgets, des Personals, des Transports und des dafür nötigen Materials wichtig. Die Hauptaufgabe ist das sorgfältige Verpacken, Transportieren und Einbringen der Objekte in ihr neues Zuhause, das immer in enger Absprache mit den Sammlungsleiterinnen und Restauratorinnen der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) geschieht. Sie geben uns die nächsten Schritte vor – ebenso stimmen wir uns mit Projektleitung, Depotverwaltung und der Firma id3d-berlin ab, dem Projektbüro für die Realisierung von Ausstellungen, deren Kollegen die Exponate dann in die Vitrinen einbringen.

Was ist logistisch am herausforderndsten und wie gehen Sie damit im Alltag vor?

Anfangs steht man vor einer Menge Herausforderungen, die gilt es zu lösen. Deshalb sind tägliche, je nach Objekt auch manchmal stündliche Abstimmungen nötig. Es ist wichtig, dass alles im Fluss ist, gerade wenn man mit Menschen zusammenarbeitet. Eine ruhige und positive Stimmung schätze ich sehr. Das Wichtigste ist, dass den Menschen und Objekten nichts passiert und man mit Demut an die Sache herangeht. Aber ich liebe auch Zeitdruck und ein bisschen Chaos. Sonst ist so ein Umzug doch auch langweilig! (lacht)

Wobei ist besondere Vorsicht gefragt?

Es ist ganz wichtig, dass alles sicher und vorsichtig verpackt und transportiert wird. Wir versuchen nachhaltig zu arbeiten und verwenden Paletten, Aufsatzrahmen und säurefreie Schachteln, die immer wieder im Einsatz sind. Die Restauratorinnen unterstützen und helfen bei den Vorbereitungen ganz wunderbar.

Was macht Ihnen bei der Arbeit am meisten Spaß?

Die Menschen begleiten zu dürfen! Und man sieht Dinge, die man sonst so nicht sieht und lernt dadurch immer wieder sehr viel Neues. Die Objekte hier sind großartig und ich bin immer wieder von der Vielfalt begeistert. Kein Museumsumzug ist wie der andere. Aber man schließt jedes Museum ins Herz wie ein Kind.

Was unterscheidet die Arbeit am Hessischen Landesmuseum von anderen Projekten, in denen Sie involviert waren?

Hier ist die Bindung zu den Menschen besonders eng. 2010 habe ich zusammen mit Dr. Huber, Firma Prevart, den Auszug des Hessischen Landesmuseums koordiniert, sodass das Haus für die umfassenden Renovierungsarbeiten leer war. Schon damals sind wir mit den Kollegen sehr zusammengewachsen. Man merkt, dass es den Mitarbeitern der MHK eine Herzensangelegenheit ist, das Museum voranzubringen. Es ist eine große Ehre für mich, dass ich wieder dabei sein kann.

Wie sind Sie eigentlich zu diesem ungewöhnlichen wie gleichsam interessanten Job gekommen?

Das war Schicksal. Eher zufällig kam ich zu meinem ersten Museumsumzug. Das erste Projekt mit einem Museum habe ich 2009 in Graz durchgeführt – damals mussten rund 1,5 Mio. Objekte innerhalb weniger Monate von neun verschiedenen Standorten in ein neues Depot umziehen. Ich hatte nicht geglaubt, dass das machbar ist – aber als ich es geschafft hatte, wusste ich, dass dieser Bereich genau mein Ding ist. Zu dem Projekt in Kassel bin ich dann über eine klassische Ausschreibung gekommen. Eigentlich wohne ich in Österreich – arbeite jedoch fast ausschließlich in Deutschland. Und: Ich bin echt gerne in Kassel.

Wie würden Sie die neue Ausstellung des HLM kurz und bündig beschreiben?

Das HLM ist eine Schatztruhe – ein wunderschönes Gebäude und toll gestaltete Ausstellungsräume, es wird sicher ein Besuchermagnet!

Vielen Dank für das Interview, Frau Focke!

Das Gespräch führte Elisa Schubert in Zusammenarbeit mit Isabelle Trenkner

 

Eine Antwort auf „Daniela Focke: „Das Landesmuseum ist eine Schatztruhe“ !“

Kommentare sind geschlossen.