Der Mann für alle Fälle: Interview mit Benjamin Groß

Es war nicht ganz einfach, einen gemeinsamen Termin für ein Interview mit Herrn Groß zu finden. Jetzt wissen wir warum: Benjamin Groß, Haustechniker bei der Museumslandschaft Hessen Kassel und unter anderem für das Hessische Landesmuseum zuständig, ist ein viel beschäftigter Mann. Selbstironisch beschreibt er sein Stellenprofil als „Mädchen für alles“, denn wenn‘s brennt, ist er sofort zur Stelle. Darum sind wir umso mehr erfreut, dass er sich Zeit für uns genommen hat, um ein wenig aus dem Arbeitsalltag zu erzählen.

Trotz Kabelsalat behält er den Überblick: Benjamin Groß, Haustechniker bei der MHK.

Lieber Herr Groß, vielen Dank, dass Sie sich für ein kurzes Gespräch mit uns Zeit nehmen konnten. Wovon halten wir Sie gerade ab?

Gerade komme ich von einer Schlüsselübergabe. Die Schlüsselüberwachung und -verwaltung ist eine meiner Aufgaben hier im Projekt Hessisches Landesmuseum. Daneben bin ich mit meinen vier Kollegen in den Liegenschaften der MHK in der Stadt, d. h. in der Neuen Galerie, der Orangerie und dem Hessischen Landesmuseum, für den Schließdienst verantwortlich. Das bedeutet, dass jeden Tag einer von uns morgens um 6 Uhr das Haus öffnet und abends um 19 Uhr wieder abschließt.

Was sind die typischen Aufgaben eines Haustechnikers in einem Museum?

In der jetzigen Phase des Projekts bin ich eigentlich für alles verantwortlich, was das Gebäude des Hessischen Landesmuseums betrifft. Hier stehe ich im engen Kontakt mit den externen Firmen, die sich beispielsweise um die Brandmeldeanlage, die Aufzüge, die Alarmanlage, die Elektronik, die Gebäudereinigung und den Bereich Lüftung und Sanitär kümmern. Meine Kollegen und ich werden darin eingewiesen, wie beispielsweise die Bedienung der Lüftungsanlage funktioniert, sodass wir dann, wenn das Museum im normalen Betrieb läuft und es zu einem Störfall kommt, schnell und richtig handeln können.
Einen typischen Arbeitstag gibt es momentan noch nicht. Jeden Tag erwarten mich neue Aufgaben, kleinere und größere Überraschungen. Dennoch gibt es regelmäßig anfallende Tätigkeiten wie z. B. die Überprüfung des Klimas im Haus. Die zum Teil sehr empfindlichen Exponate benötigen ein stabiles Raumklima. Die Luft darf nicht zu feucht sein, die Temperatur muss konstant bleiben. Gerne bezeichne ich mich auch als „Mädchen für alles“ (lacht).

Wie sind Sie eigentlich zu ihrer jetzigen Tätigkeit als Haustechniker gekommen? Waren Sie schon immer im Kunst- und Kulturbereich tätig?

Nein (lacht)! Ich bin gelernter Elektriker und habe danach noch zwei Fachtechniker in den Bereichen Telefonanlagentechnik und KNX/EIB gemacht. Während meiner Lehre wurde das Rechenzentrum eines IT-Dienstleisters hier in Kassel umgebaut. Bis zu seiner Schließung habe ich dort zehn Jahre lang als externer Haustechniker gearbeitet. Danach wurde ich mit der Betreuung der 42 Standorte des Unternehmens und seiner Tochtergesellschaften in ganz Deutschland beauftragt. Die nächsten zehn Jahre lang bin ich also kreuz und quer durch Deutschland gefahren. Ein Beruf, der sich meiner Meinung nach nicht gut mit dem Familienleben vereinbaren lässt.
Seit November vergangenen Jahres bin ich nun bei der MHK angestellt. Zuvor war ich bereits über meinen letzten Arbeitgeber für die Betreuung der Schrankenanlage der Löwenburg, die Videoüberwachung und die Telefonanlage in Schloss Wilhelmshöhe sowie für die Beschattungsanlage der Gewächshäuser in der Karlsaue zuständig. D.h. die MHK und ihre Liegenschaften waren mir nicht ganz fremd, als ich letztes Jahr hier angefangen habe.

Gibt es aus Ihrer bisherigen Erfahrung denn Unterschiede, Haustechniker in einem Museum oder einer Kunstgalerie zu sein oder z. B. in einem Rechenzentrum?

Nein, eigentlich gibt es kaum Unterschiede. Als Haustechniker kümmere ich mich um alles, was mit dem Gebäude zu tun hat. Ob in dem Gebäude nun Kunst- und Kulturgut oder Daten gelagert werden, spielt bei der Bewirtschaftung des Gebäudes keine Rolle. Die Standards bei der Gebäudesicherheit sind stets dieselben.
Mir fehlt auch die Zeit, mich inhaltlich mit dem Museum zu beschäftigen. Denn für mich ist vorrangig wichtig, dass das Licht in der Vitrine leuchtet und nicht, welche Exponate dort gezeigt werden.

Können Sie sich an Ihren ersten Museumsbesuch erinnern?

Nicht so richtig, das war mit meiner Familie in der Orangerie. Als technikbegeisterter Junge hat mich die Sammlung des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts natürlich sehr interessiert. Das erste Mal im Landesmuseum war ich in meiner Schulzeit, in der achten oder neunten Klasse. Aber auch daran kann ich mich kaum erinnern.

Und wieso sollten Ihrer Meinung nach die Besucherinnen und Besucher das Hessische Landesmuseum besuchen?

Weil die neue Dauerausstellung wirklich sehr spannend ist. Die chronologische Darstellung, die eine Zeitreise durch die Geschichte ermöglicht, ist nicht nur für Menschen aus Kassel interessant. Auch Menschen, die das Landesmuseum noch von früher kennen, können sich auf die neue, schöne Gestaltung freuen.

Auf was freuen Sie sich in nächster Zeit am meisten, was Ihre Arbeit als Haustechniker betrifft?

Auf die Eröffnung! Ich denke, das ist das große Ziel von uns allen.

 

Das Gespräch führte Almuth Kölsch.

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