Neues von der Altenburg – Ein Geländemodell und seine Folgen

Eigentlich sind Archäologen ja immer froh, wenn etwas Neues entdeckt wird. Erhalten sie doch fast immer neue Erkenntnisse, die tiefere Einsichten in das Leben in ferner Vergangenheit ermöglichen. Es gibt jedoch Momente, da kommen neue Forschungsergebnisse eher ungelegen – so etwa, wenn man gerade ein Museum einrichtet …

Im vorliegenden Falle betreffen die neuen Erkenntnisse eine altbekannte und gut erforschte Fundstelle: die vorgeschichtliche Siedlung auf der „Altenburg“ bei Niedenstein, etwa 12 km südwestlich von Kassel.

 

Blick auf die Altenburg von Süden.
Blick auf die Altenburg von Süden.

 

Auf der heute bewaldeten Anhöhe finden sich die Reste einer befestigten eisenzeitlichen Siedlung, die etwa in der Zeit von 450–50 v. Chr. bewohnt war. Die Fundstelle wird in der neuen Dauerausstellung des Hessischen Landesmuseums in Kassel einen wichtigen Platz einnehmen, handelt es sich doch um eine der bestuntersuchten Befestigungsanlagen in ganz Nordhessen. Schon seit 1905 finden hier immer wieder Ausgrabungen statt, bei denen unzählige Funde geborgen wurden.

 

Dabei wird neben vielen Funden auch ein dreidimensionales Geländemodell im Museum zu sehen sein. Es ermöglicht einen Überblick über die Gesamtanlage dieses wichtigen Fundplatzes. Die eisenzeitlichen Bewohner schützten ihre Siedlung auf dem plateauartigen Berg mit mehreren Verteidigungsanlagen – aus Stein, Holz und Erde errichtete Mauern von oftmals über 5 m Höhe, mit vorgelagerten Gräben.

 

Rekonstruierter Befestigungsabschnitt einer eisenzeitlichen Siedlung nahe Kehlheim in Bayern. So oder ähnlich könnte auch die Altenburg geschützt gewesen sein.
Rekonstruierter Befestigungsabschnitt einer eisenzeitlichen Siedlung nahe Kehlheim in Bayern. So oder ähnlich könnte auch die Altenburg geschützt gewesen sein.

 

Im Nordosten der Altenburg erschwerten mehrere gestaffelt angelegte Befestigungsabschnitte den Zugang auf das besiedelte Plateau. Ein weiterer Abschnitt verlief im Süden und Osten am Fuß der Altenburg. Bisher ging man aber davon aus, dass diese Außenbefestigung nicht fertig gebaut worden ist, da sie im Westen und Norden unvermittelt endet.

Nach der Herstellung unseres Geländemodells muss man über diese Einschätzung noch einmal nachdenken. Denn die Datengrundlage desselben – hochpräzise Laservermessungen des Geländes aus der Luft (LiDAR = engl. Light Detection and Ranging) – zeigen sehr deutlich, dass zahlreiche Wallstrukturen bislang unerkannt geblieben waren. So lässt sich der vermeintlich nicht zu Ende gebaute Außenwall nun in Teilstücken im Gelände weiter verfolgen. Ganz offensichtlich war die Befestigung der Altenburg wesentlich ausgedehnter, als man bislang angenommen hatte.

 

Das auf Basis der LiDAR-Daten erzeugte Oberflächenmodell der Altenburg zeigt neben den längst bekannten Wällen (gelb) auch neue Wallstrukturen (rot), die der Forschung bislang entgangen waren.
Das auf Basis der LiDAR-Daten erzeugte Oberflächenmodell der Altenburg zeigt neben den längst bekannten Wällen (gelb) auch neue Wallstrukturen (rot), die der Forschung bislang entgangen waren.

 

Welche Erkenntnisse dies für die neuen Forschungen bedeutet, ist im Moment noch offen. Was die Museumsarbeit betrifft, war aber sofort klar, dass die längst fertiggestellten Ausstellungstexte angepasst werden mussten – eine Korrektur, die für die Grafiker und Siebdrucker einen zusätzlichen Arbeitsaufwand darstellte und gerade eben noch möglich war. Das Beispiel der Altenburg zeigt, dass neue Forschungen für ein Museum immer auch eine Herausforderung sind und es nicht ganz einfach ist, eine Ausstellung stets auf dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu halten. Aber selbstverständlich freuen wir uns über die neuen Ergebnisse. Es bleibt spannend!

Autorin: Dr. Irina Görner

2 Antworten auf „Neues von der Altenburg – Ein Geländemodell und seine Folgen“

  1. Am Hirschberg bei Großalmerode kommt Aluminiumsulfat, welches sich blau entwickelt, im Boden vor (s. auch Ultramarin- und Sodafabrik am
    Blaustein). Könnte es auch sein, daß die Fagmente: Glasringe mit einer Fritte/Glasur/Emaille vom Hirschberg stammen?

    1. Liebe Frau Wiegand,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir freuen uns, dass Sie sich für unsere Glasarmringe interessieren. Die blaue Farbe stammt nicht von einer Glasur oder Email, sondern von der Färbung des Glases selber. Für den Import unserer Stücke spricht, dass vergleichbare Glasarmringe in der Eisenzeit vorwiegend in Süddeutschland verbreitet sind, während sie in unserer Gegend sehr selten auftreten. Auch fehlen Hinweise auf eine eigene Glasherstellung für diese frühe Zeit im Gebiet nördlich der Alpen. Dass die Stücke vom Hirschberg stammen ist daher unwahrscheinlich.

      Mit herzlichen Grüßen
      Ihr Blog-Team

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