Interview mit Ulrike Paul, Registrarin

Was hat eine Registrarin mit den Vorbereitungen für die neue Dauerausstellung im Hessischen Landesmuseum zu tun? Und was macht eine Registrarin überhaupt? Das erzählte uns Ulrike Paul, Diplom-Museologin und zuständig für den Leihverkehr bei der Museumslandschaft Hessen Kassel.

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Liebe Frau Paul, es ist Donnerstagmorgen, von was halten wir Sie gerade ab?

Gerade habe ich den Leihvertrag für den Kasseler Verein „ViKoNauten e.V.“ vorbereitet. Der Verein möchte einen historischen Rahmen aus dem Bestand des Rahmendepots in Schloss Wilhelmshöhe ausleihen für eine Inszenierung im Bunker in Kassel, um zu präsentieren, wo im 2. Weltkrieg die Kunstschätze in Kassel ausgelagert waren. Und wie für alle anderen Kunstwerke auch, wird für den Rahmen ein Leihvertrag angefertigt.

Was sind Ihre Aufgaben hier bei der MHK? Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?

Den typischen Arbeitstag gibt es nicht. Generell habe ich hier zwei Aufgabengebiete: Zum einen bin ich als Registrarin für den ein- und ausgehenden Leihverkehr zuständig. Ich bearbeite die Leihanfragen und bin im Kontakt mit den zuständigen RestauratorInnen, SammlungsleiterInnen und der Direktion, ob das angefragte Objekt ausgeliehen werden kann oder für eigene Ausstellungen gebraucht wird. Bei einem positiven Bescheid gehört auch die Anmeldung der Leihgabe bei unserer Versicherung dazu.
Des Weiteren bin ich für die Schlossinventare der Schlossmuseen verantwortlich, das sind die Löwenburg, der Weißensteinflügel und das Schloss Wilhelmsthal bei Calden. Insgesamt befinden sich in den Schlossmuseen ca. 12.000 Objekte, sowohl in den Ausstellungsräumen als auch im Depot, und das Spektrum reicht von repräsentativen Möbeln über Gemälde bis zu filigranem Kunsthandwerk. Neben der Arbeit am Schreibtisch ist der Umgang mit den Objekten besonders wichtig für mich.

Und was ist Ihre Aufgabe konkret bei der Neueinrichtung des Hessischen Landesmuseums?

Obwohl der überwiegende Teil der Exponate der neuen Dauerausstellung aus den Beständen der Abteilungen Vor- und Frühgeschichte, Volkskunde und Angewandte Kunst stammt, gibt es auch einige Leihgaben aus anderen Museen und Institutionen. Das reicht von der Leihnahme eines Karussellpferds aus dem Freilichtmuseum Hessenpark über Objekte aus anderen Museen, den Archiven oder der Landesbibliothek und Murhardschen Bibliothek der Stadt Kassel, bis hin zu Kontakten nach Kalifornien in den USA. Außerdem wird es im letzten Raum der neuen Dauerausstellung eine Sonderpräsentation geben, für die 19 Menschen aus Nordhessen Objekte zur Verfügung gestellt haben. Hierfür wurden Leihverträge angefertigt, und ich bin schon ganz neugierig, wie sich diese unterschiedlichsten Objekte in einem Raum zusammenfügen werden. Das ist auch das Spannende an meiner Arbeit: Durch die Leihanfragen lerne ich die Vielfalt der Sammlungen der MHK erst richtig kennen. Es ist doch immer wieder interessant, welche Schätze sich in den Sammlungen befinden, deren Ursprünge auf die Sammeltätigkeit der Kasseler Landgrafen im 16./17. Jahrhundert zurückgehen. Außerdem bekomme ich durch den Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen aus allen Abteilungen viel über die Exponate mit, die ich ansonsten hauptsächlich von den Leihverträgen oder aus der Datenbank kenne.

Wie sind Sie denn zu diesem vielfältigen Beruf gekommen?

In meiner Kindheit sind wir schon immer viel in Museen und Ausstellungen gegangen. Ich glaube, das hat mich geprägt (lacht). Aber zunächst habe ich eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht und in diesem Beruf einige Jahre gearbeitet. Beim Tag der offenen Tür der HTWK Leipzig, der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur, bin ich auf den Studiengang der Museologie aufmerksam geworden. Die Gastvorlesung hat mich überzeugt, ich habe mich beworben und das Fach studiert. Das würde ich immer wieder so machen. Das Studium dort bestand aus einem sehr umfangreichen Grundstudium mit den Schwerpunkten Kunst-, Technik- und Naturgeschichte, Ausstellungswesen sowie Museumspädagogik. Das Studium war sehr praxisorientiert, und wir haben Praktika in Bestandspflege und Dokumentation, im Archiv, bei der Museumspädagogik und ein Grabungspraktikum absolviert. So waren wir auf alle zukünftigen Tätigkeitsfelder vorbereitet. Dennoch, auf die Aufgaben einer Registrarin hat das Studium keinen Bezug genommen, aber da wächst man dann so rein.

Und zum Schluss noch: Wieso sollten die Besucherinnen und Besucher Ihrer Meinung nach ins Hessische Landesmuseum kommen?

Zunächst ist das Gebäude an sich sehr sehenswert. Es wurde 1913 extra zum Zwecke eines Museums errichtet und ich bin gespannt darauf, wie es nun im neuen Glanz erstrahlen wird.
Dann ist die neue Dauerausstellung sicherlich interessant für die Menschen aus der Region, da sie die Landes- und Kulturgeschichte Hessens im Kontext der großen Geschichte erzählt. Für die Besucherinnen und Besucher, die die Ausstellung noch von vor der Schließung des Hauses kannten, ist es bestimmt auch interessant zu sehen, wie heute Ausstellungen konzipiert und realisiert werden. Es hat sich seitdem ja einiges getan was die Einbindung von Medien und Technik im Museum, die Lichtführung und auch die gesamte Szenographie angeht. Und nicht zuletzt ist es auch für Touristen spannend zu sehen, wie sich drei so unterschiedliche Sammlungen in einem Haus bzw. in einer Dauerausstellung präsentieren. Man kann sicher sagen, dass es sich um ein Museum handelt, dessen Besuch sich durchaus auch ein zweites Mal lohnt.

Das finden wir auch! Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Almuth Kölsch

 

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