Ein Modell der Bauleidenschaft

Spuren davon sind heute am modernen Kasseler Regierungspräsidium nicht mehr zu erahnen: Hier stand einst das alte landgräfliche Residenzschloss, das im November 1811 abbrannte. Kurfürst Wilhelm I. plante an dieser Stelle einen Neubau von kolossaler Größe ähnlich wie Versailles oder der Residenz Würzburg: Die so genannte Kattenburg. Für das Bauwerk von der etwa vierfachen Größe des alten Schlosses wurde später jedoch lediglich der Grundstein gelegt und der Rohbau im Erdgeschoss vollendet. Nach dem Tod des ambitionierten Kurfürsten gingen die Arbeiten nicht mehr weiter. Was bleibt, ist das Modell des prächtigen Bauprojekts, das in Kassel nie Realität wurde. Sehen Sie es sich im Hessischen Landesmuseum genauer an.

Zu Ehren des Landgrafen

Es war eine verheerende Lage, in der Kassel sich 1760 befand. Große Schäden des Siebenjährigen Krieges waren zu überwinden, als die Regierungszeit Landgraf Friedrichs II. von Hessen-Kassel begann. Mit Reformen des wirtschaftlichen, sozialen und städtischen Lebens prägte er den Aufbauprozess und förderte im großen Stil Kunst und Wissenschaft. Friedrich zu Ehren wurde 1783 ein Standbild auf dem Friedrichsplatz in der Nähe des Museum Fridericianum errichtet. Das Modell zum Denkmal hatte Johann August Nahl d. Ä. zwischen 1771 und 1783 entworfen. Sehen Sie das 36,8 Zentimeter große Modell im Hessischen Landesmuseum!

Von Terrakotta zu Marmor

 

Sammlung Angewandte Kunst

Sammlung Angewandte Kunst
Figuren Paris und Bacchantin von Pierre Étienne Monnot

Sie kennen die beiden bereits vielleicht aus dem Marmorbad in der Kasseler Karlsaue: Die Figuren Paris und Bacchantin von Pierre Étienne Monnot. Den dortigen großen Marmorstatuen lagen diese beiden 63 und 66 Zentimeter großen Terrakottamodelle zugrunde, die nun im Hessischen Landesmuseum zu sehen sind. Die Werkstattmodelle aus der Zeit zwischen 1692 und 1714 zeugen vom künstlerischen Entwicklungsprozess, den der Künstler an den mythologischen Figuren vornahm. Vermutlich waren die Modelle vorerst ohne konkreten Auftrag in Rom entstanden. Landgraf Carl erwarb sie Anfang des 18. Jahrhunderts und holte sie nach Kassel.

Filigranste Details in Glas

glas

Wagen Sie einen Blick in die „Glaskugel“: Kunstvoll auf wenigen Quadratzentimetern eingeschliffen ist hier Landgraf Carl zu Pferde in Begleitung der Göttin Minerva zu sehen. Entstanden ist die Glasdose etwa 1689 in der Steinschleifmühle im Kasseler Schlossgraben, einem damals herausragenden Zentrum der Stein- und Glasschneidekunst in Deutschland. Wenn Sie die Glasdose im Hessischen Landesmuseum genau betrachten, werden Sie sogar das Muskelspiel, den flaumigen Federbusch des Helms und die emporwirbelnde Mähne des Pferdes erkennen, die Glasschneidemeister Christoph Labhardt filigran gearbeitet hat.

Eine Luxustischplatte erzählt Geschichte(n)

rheinfels

Ein vielfältiges Mosaik aus wertvollen Schmucksteinen zeigt die Festung Rheinfels am Mittelrhein, die unter der Hoheit der Landgrafen von Hessen-Kassel stand. Die Pietra-dura-Tischplatte wurde im Auftrag von Landgraf Carl in einer Luxusgütermanufaktur ab 1701 vom italienischen Spezialisten Francesco Mugniai aus Florenz angefertigt. Im Vordergrund der Flusslandschaft ist Minerva, die Göttin der taktischen Kriegsführung begleitet von zwei Löwen zu sehen. Oberhalb sind Kriegstrophäen und die Fahnen zweier hessischer Regimenter dargestellt. Rankenwerk, Blumen, Vögel und Füllhörner, rahmen das Bildfeld ein. Doch es steckt viel mehr dahinter als wahre Steinschleifkunst: Erfahren mehr über die „Rheinfels-Frage“, die halb Europa beschäftigte, im Hessischen Landesmuseum!