Mit den Augen der Macher: Landesausstellung »Groß gedacht! Groß gemacht?«

In den kommenden Beiträgen stellen wir das Team hinter der Landesausstellung »Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa« vor. Gemeinsam mit ihnen werfen wir einen Blick in die Ausstellung.

Heute: Delia Scheffer, Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin & Elisabeth Burk, wissenschaftliche Volontärin

Delia Scheffer, wiss. Mitarbeiterin, und der Königsmantel in der Ausstellung »Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa«

Für Delia Scheffer war die Sache klar: Ihr Lieblingsobjekt ist der Königsmantel von Friedrich I. von Schweden, Sohn Landgraf Carls.  Er steht für den Aufstieg des Hauses Hessen und die erfolgreiche Heiratspolitik. Friedrich I. heiratete die Schwester des schwedischen Königs, der bald darauf früh und kinderlos verstarb. Landgraf Friedrich trat an seine Stelle und wurde so erster und einziger hessischer König.

Den Königsmantel ließ er sich extra für seine Dienstgeschäfte im Reichstag, sozusagen als »Alltagsmantel«, anfertigen. Die applizierten Kronen sind kostbarste, aufwändigste Handarbeit, weshalb sie von nachfolgenden Generationen zum Teil abgetrennt und wiederverwendet wurden. Der Mantel ist eine Leihgabe der Rüstkammer in Stockholm und wurde extra für die Landesausstellung restauriert und mit großer Vorsicht in der schrägen Vitrine platziert.

Elisabeth Burk, wiss. Volontärin, und die Büste von Christoph Labhardt

Elisabeth Burk erfreut sich besonders an der Büste einer jungen Frau von Christoph Labhart. Sie ist aus zwei Gründen besonders faszinierend: Zum einen wurde die Büste aus zwei verschiedenen Bernsteinen gefertigt und zum anderen wirkt sie vollplastisch – und das, obwohl sie hinten flach ist.

Christoph Labhart war einer der frühen Künstler am Hofe Landgraf Carls. Warum der Steinschneider nach Kassel kam, darüber gibt es nur Vermutungen. Möglich wäre, dass er von Carls Mäzenatentum angelockt und in Kassel von seiner Persönlichkeit begeistert wurde. Als eine Art Visitenkarte könnte er dieses Bernsteinstück mitgebracht haben.  Oder sie entstand doch erst im Auftrag von Carl?

Die Büste wurde zwischen vielen weiteren Kunstwerken in einem Schrank aufbewahrt, der in Carls Kabinett – einem kleinen »privaten« Raum – stand. Hier hatten nur geladene Gäste und ausgewählte Diener Zutritt, die dafür dann aber die exquisiten und kostbaren Kunstgegenstände bewundern durften.

Mit den Augen der Macher: Landesausstellung »Groß gedacht! Groß gemacht?«

In  den kommenden Beiträgen stellen wir das Team hinter der Landesausstellung »Groß gedacht! Groß gemacht? Landgraf Carl in Hessen und Europa« vor. Gemeinsam mit ihnen werfen wir einen Blick in die Ausstellung.

Heute: Dr. Sebastian Dohe, Kurator und Projektleiter

Eines meiner Lieblingsobjekte in der Ausstellung ist das Gemälde »Landgraf Carl beim Bauer Hoos«, wahrscheinlich weil ich ein persönliches Fable für die Malerei des 19. Jahrhunderts habe. Sie zeigt uns einen wunderbar verklärenden Blick auf Geschichte, den wir als Wissenschaftler heute immer erst einmal auflösen müssen.

Dr. Sebastian Dohe, Kurator der Landesausstellung »Groß gedacht! Groß gemacht! Landgraf Carl in Hessen und Europa« im Fridericianum

Dieses Bild zum Beispiel zeigt Landgraf Carl in einfacher Reisekleidung beim Bauern Hoos. Die Legende besagt, er habe sich beim Reiten verirrt, sei von dem Bauern aufgenommen und bewirtet worden. Der Bauer selbst weiß noch nicht so ganz was er davon halten soll und das kleine Kind wird zum Servieren vorgeschoben. Im Hintergrund sehen wir – so wie es sich das 19. Jahrhundert vorstellte – eine Schwälmer Bauernstube: mit Butzenscheiben in den Fenstern, einer Großmutter bei der Handarbeit, Zinngeschirr usw. Doch jetzt das Faszinierende: Das Gemälde hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun, es verklärt die Realität.

Louis Katzenstein, Landgraf Carl beim Bauer Hoos,  1894, Neue Galerie, MHK, Leihgabe Städtische Kunstsammlungen

Landgraf Carl ritt nicht alleine aus! Er war immer in Begleitung, da er oberster Herrscher der Landgrafenschaft war und die dynastische Linie fortführen musste. Außerdem hätte er sich nie mit einen Bauern getroffen und ein Bauer nicht mit ihm, das war keine Denkkategorie: Wer würde heute den Papst im Wohnzimmer bewirten wollen? Die beiden waren nicht beziehungsfähig und eine Unterhaltung wie auf dem Bild zu sehen, wäre wohl kaum möglich gewesen. Wir sehen also hier nicht Carl, sondern eine Inszenierung des Landgrafen genauso, wie sich das 19. Jahrhundert einen Landesvater wünscht: gütig, liebevoll, sich um jeden Einzelnen sorgend.

Ich finde das Gemälde wunderbar, weil es eine ganz eigene, liebevolle Ästhetik hat… und wahrscheinlich auch, weil ich gerne Dekonstruktivist bin.

2018 – Ein neues Jahr mit neuen Angeboten

Speisesaal im Schoss Wilhelmsthal

»Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen« oder wie es ursprünglich hieß: »Weil Speis und Trank in dieser Welt doch Leib und Seel‘ zusammenhält.«; so schrieb es Hinrich Hinsch im Libretto für das 1690 vom Komponisten Johann Philipp Förtsch erdachte Singspiel » Der irrende Ritter Don Quixotte de la Mancia«. Was immer das neue Jahr 2018 uns auch bringen mag, Essen und Trinken zählen zu den existentiellen Dingen unseres Lebens und strukturieren unseren Alltag. Darüber hinaus bestimmen Sie aber auch unser Veranstaltungsprogramm für 2018. Das neue Jahr steht bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) ganz unter dem Motto »Zu Tisch!«.

Die Schlösser, Museen und Parks der MHK bieten ein abwechslungsreiches und vielfältiges Programm rund um das Thema Essen und Trinken an. Dabei ist der Bogen weit gespannt: Vom Blick in die Schlossküche über kunstvolle Arrangements von Obst in den Stillleben der Gemäldegalerie bis hin zu Gärtnertipps und einem Baumschnittkurs in den landgräflichen Obstgärten. Bereits im Januar geht es mit einer Kinderzeit im Schloss Wilhelmshöhe los: »Der König trinkt! Das Bohnenfest«. Aber auch andere Standorte widmen sich dem Thema: Im Hessischen Landesmuseum wird ein Blick auf das Essen in der Steinzeit und die höfische Tischkultur in der Frühen Neuzeit geworfen. Die Schlösser Wilhelmsthal und der Weißensteinflügel von Schloss Wilhelmshöhe mit ihren Speisesälen und der historischen Küche gewähren neue Einblicke. Und in den Gärten der Museumslandschaft werden im Lauf des Jahres immer wieder Führungen zum Thema angeboten: »Die goldenen Äpfel der Karlsaue« oder »Wir haben unsere Insel zum Essen gern!« auf der Insel Siebenbergen sind nur zwei Beispiele.

Historische Küche in Schloss Wilhelmsthal

Höhepunkt des Themenjahres ist am 23. Juni das große Sommerfest an der Orangerie, dass natürlich auch im Zeichen des Mottos »Zu Tisch!« steht. Lassen Sie sich überraschen!

Die MHK beteiligt sich mit dem Themenjahr an der Aktion des Vereins der Schlösser und Gärten Deutschlands »Zu Tisch! Genießen in Schlösser und Gärten« im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres/ European Culture Heritage Year (ECHY).

Bei dieser Kooperation öffnen sich in über sechzig Schlössern, Klöstern und Gärten, historischen Originalschauplätzen wie Küchen, Speise- und Festsälen, Orangerien, Gewächshäusern, Nutzgärten, Vorratskellern, Weinkellern, Eiskellern, Refektorien oder Gebäuden der landwirtschaftlichen Infrastruktur die Türen. Ziel ist es die Vielfalt der europäischen Kultur zu zeigen, die eigene Kultur und ihre Geschichte besser kennen und schätzen zu lernen, was gleichzeitig zur Akzeptanz der kulturellen Identität Anderer beitragen kann.

Anlässlich des Themenjahres hat die Museumslandschaft Hessen Kassel ein Logo entwickelt, mit dem alle Veranstaltungen für eine bessere Auffindbarkeit gekennzeichnet werden. Zudem finden Sie auf unserer Homepage www.museum-kassel.de alle weiteren Informationen zu unseren Aktivitäten im Echy-Jahr.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen!

Ein Blog für alle – die MHK bloggt zusammen

Herzlich Willkommen auf dem neuen Blog der Museumslandschaft Hessen Kassel!

Mit dem Start des neuen Jahres werden wir hier nun regelmäßig Blogbeiträge posten, wo Sie mehr über uns und unsere Arbeit erfahren können. Dafür haben wir uns mit allen Sammlungen, Häusern, Parks und Kollegen der MHK zusammengetan und nach interessanten Themen für Sie gesucht. Regelmäßig tolle Neuigkeiten, Blicke hinter die Kulissen und interessante Details zu unserer Arbeit – sehen Sie selbst!

Vor- und Frühgeschichte – Oder warum es im Hessischen Landesmuseum keine Dinosaurier geben wird

Zeitband mit wichtigen Eckpunkten der Erd- und Menschheitsgeschichte
Zeitband mit wichtigen Eckpunkten der Erd- und Menschheitsgeschichte

Was heißt eigentlich Vor- und Frühgeschichte? Das mögen sich zukünftige Besucherinnen und Besucher fragen, die sich beim Gang durch die neue Dauerausstellung im Erdgeschoss des Hessischen Landesmuseums in Kassel über die ältesten Hinterlassenschaften der Menschen in Nordhessen informieren. Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit – gut: das ist das Forschungsfeld der Archäologie. Aber wieso Vor- und Frühgeschichte, und wieso ist im selben Zusammenhang oft auch von Ur- und Frühgeschichte, Prähistorie oder Prähistorischer Archäologie die Rede? Welchen Zeitraum decken diese Begriffe überhaupt ab? „Vor- und Frühgeschichte – Oder warum es im Hessischen Landesmuseum keine Dinosaurier geben wird“ weiterlesen